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Archiv der Kategorie Fehmarn

Jimi Hendrix, Fehmarn und das nicht erreichte Rentenalter

Am 27. November 2007 wäre James Marshall “Jimi” Hendrix 65 Jahre alt geworden, hätte also das Rentenalter erreicht. Hätte - aber der Gitarrist und Sänger starb bereits im Alter von 27 Jahren, konkret am 18. September 1970 in einem Londoner Hotel. Die Umstände sind bis heute mysteriös geblieben. Seinen letzten öffentlichen Auftritt hatte der Musiker aber wenige Tage zuvor in Deutschland, nämlich auf der Ostseeinsel Fehmarn auf einer Wiese des Landwirtes Störtenbecker in der Nähe des Leuchtturms Flügge. Ebendort erinnert heute ein Gedenkstein an Jimi Hendrix. In seiner Heimatstadt Seattle ist ihm ein Museum und ein Park gewidmet, dort, wo sich einst das Establishment distanziert verhielt. Denn er war unbequem, hemmungslos, oft unbeherrscht. Das Gitarrenspiel aber beherrschte er herausragend, er prägte einen neuen Sound der E-Gitarre und gab dem Solospiel auf diesem Instrument einen neuen Stellenwert. Der Rockmusik zudem progressive experimentelle Weichenstellungen.

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Ich war beim letzten Hendrix-Auftritt damals auf Fehmarn dabei, saß nur wenige Meter vor der Bühne in einem abgesperrten Areal, von wo ich Fotos machen konnte. “Bewacht” wurde ich dabei von Rockern der “Hells Angels”, die sich das “Ordnungshüter-Regime” erkämpft hatten und die Leute nach Lust und Laune gnadenlos schikanierten. Und die schon Teile der Bühne verfeuert hatten, am Ende ganze Wohncontainer in Flammen aufgehen ließen…

Zu Jimi Hendrix: Nach schwieriger Kindheit und frühem Rausschmiss beim Militär wird James Marshall Hendrix in den Sechzigern zunächst wegen seiner Fingerfertigkeit von Künstlern der Soul- und Blues-Szene als Begleitmusiker engagiert, etwa von Ike & Tina Turner, B.B.King, Little Richard, den Supremes oder Wilson Pickett. In der Kultstätte des schwarzen Blues & Soul, im legendären Apollo-Theater in Harlem, gewinnt Hendrix einen Wettbewerb, formiert bald eigene Bands. Chas Chandler, Ex-Bassist der “Animals” nimmt den kreativen experimentier-freudigen Gitarristen mit afroamerikanischer und indianischer Abstammung unter seine Fittiche - “The Jimi Hendrix Experience” (mit Mitch Mitchell und Noel Redding) wird aus der Taufe gehoben.

Love   and Peace Festival 1970 Fehmarn / Foto: Lücke

Hendrix feiert große Erfolge: “Hey Joe”, “Purple Haze”, “The Wind Cries Mary”, “Bold As Love”, “Voodoo Child” oder “All Along the Watchtower”. Spektakuläre Festival-Auftritte steigern die Popularität. Beim Montery Pop Festival verbrennt er am Ende seine Gitarre, als “Opfer”. Als er beim legendären Woodstock-Festival auftritt und mit einer heftig umstrittenen Interpretation der US-Nationalhymne diese zur kreischenden Anklage gegen die US-Regierung und den Vietnamkrieg nutzt, da hat er bereits Probleme mit der Justiz.

Einerseits setzt er mit seiner Musik neue Maßstäbe, wird gefeiert, hebt immer mehr ab, flippt oft aus, konsumiert hemmungslos Alkohol, auch harte Drogen und Sex. Er verliert auf der Höhe seiner frühen Karriere immer mehr die Bodenhaftung und steht des öfteren so unter Strom, dass er auch katastrophale Auftritte abliefert, daneben aber ebenso immer wieder musikalische Glanzpunkte setzt. Und immer häufiger hat der Musiker nach seinen Auftriten und Exzessen Depressionen.Im Sommer 1970 startet Jimi Hendrix zu einer Tour durch die USA und Europa. Nach der Isle of Wight, Stockholm, Kopenhagen und Berlin geht es am 5. September nach Fehmarn, wo das Love & Peace-Festival im Sturm, Regen und Schlamm steckt. Weshalb der Hendrix-Auftritt auf den Morgen des Folgetags (6. September) geschoben wird. Jimi liefert dort ein wahnsinnig gutes Konzert ab, sein letztes.

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Jimis letzter Auftritt sollte eigentlich schon am 5. September stattfinden, dem zweiten Tag - ein Sonnabend - des “Love-and-Peace-Festivals” auf Fehmarn. Gut dass ich schon damals nicht gerade aufs Campieren eingestellt war wie viele andere meiner Generation. Ich hatte mir in der Nähe des Festival-Areals ein Pensionszimmer genommen. Und das sollte sich damals als Glücksgriff herausstellen, denn entgegen den üblichen Wettergewohnheiten auf der Ostseeinsel in diesem Zeitraum war es nicht trocken und sonnig, sondern stürmisch und regnete in Strömen. Ein Wetter, bei dem man keinen Hund auf die Straße jagt. Aber ich wollte viele der bei diesem Festival angesagten Bands einfach live erleben, sie fotografieren und auch drüber berichten. Das Pensionszimmer bewirkte jedenfalls, dass ich geordnet im Trockenen übernachten und mich aufwärmen konnte. Denn die Witterungsbedingungen beim Love-and-Peace-Festival waren eine Katastrophe. Wie übrigens die Organisation des Ereignisses auch. Denn schon in der Nacht vor Beginn des Festivals hatten üble Rocker der “Hell’s Angels” aus der Hamburger Gegend auf Fehmarn die Szene “aufgemischt”, sich mit Hippies und engagierten Ordnern (das sollten, so glaube ich mich zu erinnern, iranische Studenten aus Deutschland machen) heftige Schlägereien geliefert. Die Rocker erzwangen von den Veranstaltern, selbst als Festival-Ordner zu fungieren. Und machten das schikanös und willkürlich. Ohne dass die Polizei eingreifen konnte. Jimi Hendrix hatte am Freitag noch einen Auftritt beim Berlin Super Concert 70. Eigentlich soll das in der dortigen Waldbühne stattfinden, doch weil das Wetter wie in Fehmarn so schlecht war, hatte Veranstalter Fritz Rau das Berliner Spektakel in die Deutschlandhalle verlegt. Auf Fehmarn gab es keine solche “Unterschlupf-Möglichkeit” für ein Festival mit Zigtausenden. Also mussten sich die Fans selbst schützen - unter Regenschirmen, Zeltplanen, irgendwelchen Provisorien. Viele schlugen ihre Zelt direkt auf dem Festivalgelände auf, sogar in Bühnennähe.


Schon am Freitag hatte es Programmänderungen und Absagen auf Fehmarn gegeben, sehr zum Unmut der Besucher, Auch am Samstag waren Tausende durchgefrorene Fans sauer, weil Auftritt abgesagt wurden, durch den Sturm und die Unzulänglichkeiten der Soundtechnik viele Darbietungen schlecht zu hören waren. Das Wetter besorgte den Rest. Jimi Hendrix war zwar am Sonnabend auf Fehrmarn eingetroffen. Aber Roadmanager des Musikers überflogen per Hubschrauber das Festivalgelände, sahen dort vor der Bühne jede Menge kleiner Zelte und drohten dem Veranstalter: “Jimi würde nicht auf einem Campingplatz auftreten…” Die Zelte vor der Bühne sollten verschwinden. Jedenfalls wurde der Jimi Hendrix-Auftritt auf den Sonntagmorgen (6. September) verschoben, die Fans räumten ihre Zelt in Bühnennähe und Interpreten wie Mungo Jerry und Canned Heat hielten die Fans einigermaßen bei Laune.

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Ein Teil der “Ordnungs-Rocker” campierte nachts unter der Festivalbühne, machte dort allerdings ein Lagerfeuer zum Aufwärmen und verfeuerte dabei einfach Teile der Bühnenkonstruktion. Am Sonntagvormittag war das Wetter auf Fehmarn zwar windig und kühl, aber zunächst trocken und sonnig. Alles wartete auf den Superstar Jimi Hendrix. Der traf zwar am späten Vormittag auf dem Festivalgelände ein, zog sich dann aber in einen Wohnwagen zurück. Erst mit zweistündiger Verzögerung betrat Jimi Hendrix dann mit seinen Musikern Billy Cox und Mitch Mitchell die inzwischen provisorisch reparierte Festivalbühne. Als er vom Publikum nicht nur mit Beifall sondern vereinzelt auch mit Pfiffen und Buhrufen empfangen wurde, konterte der Musiker zunächst mit beleidigenden Sprüchen, entschuldigte sich dann aber doch und liefert am Ende ein wirklich gutes Konzert von rund anderthalb Stunden ab. Es war sein letztes Konzert, nachdem er sofort wieder aus Fehmarn verschwand und nach London düste, wo er wenige Tage später starb….

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