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19.2.2008 von Lucky Sultan.
Der Ferienpark Feuerkuppe in Straussberg nahe Sondershausen ist eine überregional bekannte wie beliebte Jugend- und Kindereinrichtung, wo seit vielen Jahren Schulklassen, Jugendgruppen, Vereine, aber auch Familien Ausflugs- oder Ferienaufenthalte verbringen. Der Ferienpark Feuerkuppe gehörte zu den ersten Jugendeinrichtungen von bundesweit rund 5000, die das Drei-Sterne-Qualitätsmanagement verliehen bekommen haben. Fast 50.000 Übernachtungen gab es allein dort im vergangenen Jahr. Der Ferienpark spielte zu DDR-Zeiten eine Schlüsselrolle in der Karriere der beliebtesten Sängerin Ostdeutschlands, Ute Freudenberg. Denn eigentlich wurde Ute eben dort im Ferienpark bei Straussberg in Jugendjahren entdeckt. Jetzt kehrte die Kult-Sängerin und “Jugendliebe”-Interpretin in den Ferienpark zurück, um Solidarität zu zeigen. Solidarität mit dem Ferienpark gegen ein Vorhaben, das eine Bedrohung für die Jugendeinrichtung werden könnte, ein Projekt, das buchstäblich zum Himmel stinkt, wenn es denn realisiert wird….

Denn in der Nähe des Ferienparks bei Immenrode soll eine industriemäßige Schweinemastanlage entstehen, die in der Zukunft den Fortbestand der traditionsreichen und beliebten Kinder- und Jugendeinrichtung gefährden könnte. Gegen die geplante Anlage eines niederländischen Investors gibt es erhebliche Widerstände unter den Ferienpark-Betreibern, Bewohnern in der Region, aber auch unter Kommunalpolitiker und Geschäftsleuten der Region. Sogar eine Bürgerinitiative ist aktiv. Der Protest richtet sich übrigens nicht generell gegen landwirtschaftliche Produktion, die in dieser ländlichen Gegend allgegenwärtig ist.
Es gibt in der Nähe des Ferienparks bereits eine Schweinemastanlage, eine Ferkelaufzuchtanlage sowie eine Putenmastanlage mit jeweils nicht unerheblichen Tierbeständen. Aber durch diese gewachsenen Einrichtungen gab und gibt es keine Probleme, also dagegen auch keinen Bürgerprotest. Ganz anders im Fall der geplanten Schweinemastanlage für rund 13.000 Borstentiere, und dieses Vorhaben agrarindustrieller Größenordnung soll auch noch in einem “Vorbehaltsgebiet für Fremdenverkehr” errichtet werden. Der Jugendhilfeausschuss des dort zuständigen Kreistages hat bereits eine Resolution an das Thüringer Landesverwaltungsamt in Weimar geschickt.
Die Kritiker des Vorhabens befürchten, dass die Grenzen der Zumutbarkeit und Belastbarkeit durch die geplante Mastanlage überschritten werden. Gülletransporte auf die Felder in der Nachbarschaft als zusätzliche Belastung und in einer Größenordnung, die es dort bis jetzt so nicht gab, dann die aus der Gülleausbringung folgende Nitratbelastung für Wasservorkommen und schließlich die Massentierhaltung selbst - das alles sind die schwer wiegenden Kritikpunkte der vielen Gegner.
Ja - und was hat die Sängerin Ute Freudenberg damit zu tun? Es war 1971, da wurde Ute als junges Mädchen in eben diesem Ferienpark, damals ein FDJ-Ferienlager, entdeckt. Man wurde auf ihre Stimme aufmerksam, oder besser konkret der damalige Chef des sogenannten Lagerfunks. Da wurde prompt eine Probeaufnahme im “Funkraum” gemacht, Ute war gerade 15. Aber es war der Anfang einer großen Musikkarriere, die mit der “Jugendliebe” den Kultsong der Ostdeutschen schlechthin markierte und die bis heute mit vielen Erfolgstiteln der Weimarer Sängerin ihre Fortsetzung fand. Ute Freudenberg hat jetzt den Ferienpark Feuerkuppe besucht, Solidarität gezeigt, vielleicht nützt es ja. Jedenfalls sind sich Ute und viele Menschen in der Region um Straussberg und Immenrode im Kyffhäuserkreis einig - aus der geplanten “Schweinerei” soll nichts werden…
Geschrieben in Politik, Landwirtschaft, Gesellschaft, Musikszene | Drucken | Keine Kommentare »
17.2.2008 von Lucky Sultan.
Es war natürlich alles sehr spannend beim Bundesvision Song Contest mit Stefan Raab. Ein derartiges Herzschlagfinale hatte es noch nicht gegeben. Das letzte Ländervotum brachte die Entscheidung für die Brandenburger Folk-Metal-Band “Subway to Sally” - mit einem Pünktchen Vorsprung vor “Clueso” aus Thüringen, der bis dahin über weite Strecken geführt hatte. Platz 1 an Brandenburg, Platz 2 nach Thüringen, Platz 3 Sachsen-Anhalt und Platz 5 Mecklenburg-Vorpommern. Nur die Sachsen mussten sich abgeschlagen mit der Schlusslicht-Laterne zufrieden geben. Wenn das in der Gesamtbilanz kein Aufschwung Ost ist, was denn dann? Die Sache hat nur einen Haken oder sogar zwei: Wenn so die Suche nach dem echten Bundesfavoriten läuft, dann ist das zwar für alle ziemlich werbewirksam und vielerorts ein Fetenspaß. Nur dass bei dieser Art von Länderwettstreit ”Stolpersteine” ins Spiel kommen. Und in manchen Köpfen sich sogar “Mauern” bilden. Lieber Stefan Raab, Du möchtest ein Wegbereiter für den Grand Prix sein, sorgst auch für viel Popularität, aber warum geht das nicht ohne Stolpersteine…
Man muss nicht darüber lamentieren, dass der Bundesvision Song Contest für (fast) alle Teilnehmer eine tolle Plattform zur Selbstdarstellung war. Die meisten Künstler können am Ende - egal wie sie abgeschnitten haben - von der öffentlichkeitswirksamen Präsentation profitieren. Daran ist nichts auszusetzen.
Und man darf Stefan Raab auch die gute Absicht unterstellen, denn er wollte wohl seinem Spektakel schon einen Hauch von Grand Prix verpassen - Euro-Hymne, Aufmarsch mit den Landesflaggen, dazu kurze Vorstellungen der Bundesländer. da war die redliche Absicht zu erkennen. Und eine Musik, die wirklich die breite Masse der Jugend in der Republik erreicht - mit Songs in deutscher Sprache, das verdient Respekt.
Doch dann der große Stolperstein: Dieses Abstimmungssystem ist eine Katastrophe, bedient es doch total den auch noch organisierten Länderegoismus. Irgendwie bringen wir unsere Länderkandidaten schon durch, natürlich mit der höchsten Punktezahl daheim, so das Prinzip. Meistens jedenfalls, nur die Nordrhein-Westfalen hatten das noch nicht ganz geschnallt, warum sie die “eigene” Formation auch “nur” auf Platz 2 beförderten, dafür die Brandenburger Siegerband an die Spitze holten. Das gab dann am Ende auch den Ausschlag.
Mal abgesehen davon, dass ja die Länder doch sehr unterschiedlich groß sind und am Ende doch eigentlich der oder die beliebtesten Künstler als Bundessieger gekürt werden sollen, was aber bei dieser Form der Länderabstimmungen ja nicht wirklich funktioniert, geht es bei dieser Art von erklärtem Ländereifern natürlich auch um das Geschäft, was noch so dran hängt. Außerdem wäre doch die echte bundesweite Addition der tatsächlichen Stimmen viel zu einfach und nicht spannend genug. Also muss der Länderegoismus bedient werden.
Ein Vergleich zu einer Sportlerwahl liegt da nahe. Man stelle sich vor, es würde bundesweit der beste Sportler des Jahres nach der Publikumsgunst gesucht. Jedes Land entscheidet sich dann für einen eigenen Länderfavoriten und versucht eben den nach dem Raab-Muster und Bundesvision-Prinzip durchzuboxen. Weil es ja nicht drum geht, den wirklich besten oder beliebtetsten in der bundesweiten Publikumsgunst zu finden, sondern darum, sich als Land zu behaupten. Da würden sich manche über den so ermittelten Bundessieger ganz schön wundern.
Nein - es geht eigentlich nur so, dass ein Land nicht für den eigenen Kandidaten voten darf, sondern nur über die Reihenfolge aller anderen Finalteilnehmer zu befinden hat. Ganz kann dann zwar auch ein taktisches Abstimmungsverhalten nicht ausgeschlossen werden, etwa der Schulterschluss von Nachbarn oder die Solidarität etwa der neuen Länder. Aber ganz sicher ist dann das Gesamtresultat ein etwas anderes - weil alle die Stimmen, die bei Raab etwa für den jeweiligen Kandidaten im eigenen Land verbleiben, auf die anderen Kandidaten verteilt würden.
Statt dessen wurden diesmal vor allem die “Grabenkämpfe” der Länder bedient. Nach dem Motto Zuerst wir, dann die anderen. Darüber können auch nicht viele freundlichen Worte täuschen, wenn aus den Länderabstimmungen dann spendabel die Punkte an die Kandidaten der anderen Länder gereicht werden. In Wirklichkeit werden bei diesem Abstimmungsmodus die lautstarken “Fankurven” der Länder organisiert. Da sind plötzlich Rufe nach der Mauer auszumachen. Vielleicht getrennte Vorentscheidungen, damit die neuen Länder nicht so gemeinsame Sache machen? Und in den Köpfen vieler mobilisierter Fans verhindert eine dortige “Mauer” - nicht unbedingt die zwischen Ost und West, sondern eine um jedes Bundesland, es soll doch ein richtiger Länderwettstreit sein, bitteschön - zu sehen, dass es eigentlich darum geht, den gemeinsamen Sieger zu ermitteln, der dann auch geeignet sein sollte, international zu punkten, zu überzeugen, die Publikumsgunst zu erobern - möglichst ohne taktisches Gezerre, sondern allein mit einem überragenden Song und einer überwältigenden Performance. Auch dabei darf dann gerne eine Mittelalterrock-Formation wie “Subway to Sally” oder eben “Clueso” oder wer auch immer gewinnen. Am besten, es würde der Interpret oder die Gruppe gewinnen, die wirklich die meisten Stimmen (per Ted) bundesweit bekommt. Vielleicht ja beim nächsten Mal? Vielleicht, nachdem wir uns beim Eurovision Song Contest über taktische Bündnisse, nachbarschaftliche Schulterschlüsse und die Egoismen der Länder einmal mehr geärgert haben…
Geschrieben in Gesellschaft, Trends, Musikszene | Drucken | 6 Kommentare »