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Archiv der Kategorie Politik

Saale-Unstrut und Sachsen: Aufstockung der Rebflächen angesagt

Die ostdeutschen Weinanbaugebiete Saale-Unstrut und Sachsen dürfen wachsen. Die Agrarministerkonferenz der Länder hat sich jetzt darauf verständigt, dass Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg Neuanpflanzungsrechte zur Aufstockung traditioneller Rebflächen bekommen soll. Konkret sollen Sachsen-Anhalt und Sachsen jeweils Rechte für 31 Hektar, Thüringen und Brandenburg für jeweils 15 Hektar bekommen.

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Die Entscheidung trafen die Landwirtschaftsminister der Länder bei ihrer Konferenz im sächsischen Kloster Nimbschen bei Grimma just an dem Tag, als im historischen Lichthof der Rotkäppchen-Sektkellerei in Freyburg die 18. gemeinsame Jungweinprobe der Anbaugebiete Saale-Unstrut und Sachsen stattfand. Dort hatten 41 Winzerbetriebe insgesamt 172 Weine, 6 Sekte und 2 Seccos des Jahrgangs 2007 zur Verkostung angestellt. Dieser geschmackliche Leistungsvergleich war damit die umfangreichste derartige Degustation Mitteldeutschlands. Natürlich waren auch die Weinmajestäten der Regionen mit dabei, wie etwa die Weinkönigin von Saale-Unstrut, Marika Böhme (Bild).

In den Weinanbaugebieten Saale-Unstrut und Sachsen wurde die in Aussicht gestellte Aufstockung mit Freude aufgenommen. Anträge für zusätzliche Neuanpflanzungsrechte waren bereits gestellt worden. Rheinland-Pfalz will solche Rechte für 100 Hektar abgeben. Denn die europäische Weinmarktordnung verbietet noch die Neuanpflanzungen von Rebflächen. Nur wenn entsprechende Rechte vorhanden sind, darf gepflanzt werden. Also muss von den vorhandenen Kontingenten etwas umverteilt werden.

Saale-Unstrut bringt es aktuell auf rund 666 Hektar Rebflächen, während Sachsen mit rund 400 Hektar noch kleiner ist. Allein das Anbaugebiet Pfalz hat 23.500 Hektar, Rheinhessen ist mit rund 26.500 Hektar das größte.

Das Weinanbaugebiet Saale-Unstrut erstreckt sich von Thüringen über Sachsen-Anhalt bis hin nach Brandburg vor die Tore Potsdams. Dort stehen in der Obstbaugemeinde Werder die bislang nördlichsten Rebstöcke von Saale-Unstrut, momentan auf 7 Hektar. 15 können dort aber schon bald dazu kommen. Thüringen hat aktuell mal gerade 55 Hektar, auch dort könnte um 15 Hektar aufgestockt werden. Allerdings solle im Anbaugebiet Saale-Unstrut auch künftig nur auf Qualität, nicht auf Masse gesetzt werden, betonte Weinbauverbandspräsident Siegfried Boy.

Mehr zum Thema in meinem Zeitungs-Weblog Backstage auf der TLZ-Homepage.

Up, up & no way? Quo vadis - Airport Erfurt?

Diesen Beitrag, den ich in meinem Zeitungs-Weblog veröffentlicht habe, den will ich auch hier dokumentieren. Von wegen - der Osten kommt. Schön wäre es ja, gäbe es da nicht diese bitteren Erfahrungen an der deutschen “Eastside”…

Flughafen Erfurt / Foto: Peter Michaelis/TLZ

Zugegeben - ich habe meinen nächsten Sommerurlaub schon vor Weihnachten fest gebucht. Schließlich möchte man günstige Frühbuchkonditionen und darüberhinaus den besten weil am bequemsten erreichbaren Flughafen rechtzeitig absichern. Nun möchte aber auch der schon erwachsene Nachwuchs in der Familie einen Ferienaufenthalt buchen und hat mich eben dafür eingespannt, doch nach günstigen Konditionen und nach der Flügen zu schauen. Per Internet versteht sich. was ich heute abend spät auch gemacht habe. Sollte doch kein Problem sein, wo doch der Airport Erfurt (Bild/ Foto: Peter Michaelis/TLZ) quasi “vor der Haustür” liegt. Also den Flughafen angeclickt und — Fehlanzeige, große Pleite. Urlaubsverbindungen für diesen Sommer abrufen? Denkste! Bei der von mit benötigten Flugverbindung - übrigens seit einigen Jahren fest im Programm - gibt es wie auch bei anderen Urlaubsstrecken keine Infos. Was ist das denn? Jetzt, wo die meisten Leute ihren Sommerurlaub buchen möchten, ist der Airport Erfurt - infomäßig - quasi noch im Winterschlaf. Jedenfalls bricht meine Flug-Verbindungsabfrage auf der Erfurter Flughafen-Hompepage unter den “Urlaubsflügen” Ende März 2008, also diesen Monat, ab. Ist Erfurt eigentlich eine Landeshauptstadt oder was? Lieber Verkehrsminister Andreas Trautvetter: Müssen Sie hier nicht dringend eine “Schubumkehr” bewirken, Bitte - was soll das?….

Ich bin schon gespannt auf die Ausreden. Neuorientierung, Umstrukturierung, vielleicht war jemand krank oder eine Stelle verwaist? Ja ist Erfurt denn der Gemüsegarten der Provinz oder der Airport einer Landeshauptstadt? Da brechen Airlines weg, und einige Verantwortliche reiben sich verschlafen die Augen. Ein Flughafen braucht selbstverständlich - wenn er bestimmten Ansprüchen genügen will - eine entsprechende Plattform im Internet. Die aber wirklich informativ sein muss. Wenn sie das nicht ist, dann lassen potentielle Kunden und Partner davon ihre Finger. Weil man solche Unprofessionalität nicht akzeptieren kann.

Ich werde also nun meinen favorisierten Reiseveranstalter ankabeln. Bestimmt ist man dort im Bilde und hoffentlich auskunftsfreudig. Denn in Erfurt muss ich wohl noch etwas warten, bis ich Auskunft über die Sommerflugpläne bekomme. Zumindest am Airport odr auch Flughafen. Natürlich unter diesen Bedingungen nicht wörtlich (oder ersnt) zu nehmen…

Solidarität: Jugendliebe-Protest gegen ein Vorhaben, das zum Himmel stinkt

Der Ferienpark Feuerkuppe in Straussberg nahe Sondershausen ist eine überregional bekannte wie beliebte Jugend- und Kindereinrichtung, wo seit vielen Jahren Schulklassen, Jugendgruppen, Vereine, aber auch Familien Ausflugs- oder Ferienaufenthalte verbringen. Der Ferienpark Feuerkuppe gehörte zu den ersten Jugendeinrichtungen von bundesweit rund 5000, die das Drei-Sterne-Qualitätsmanagement verliehen bekommen haben. Fast 50.000 Übernachtungen gab es allein dort im vergangenen Jahr. Der Ferienpark spielte zu DDR-Zeiten eine Schlüsselrolle in der Karriere der beliebtesten Sängerin Ostdeutschlands, Ute Freudenberg. Denn eigentlich wurde Ute eben dort im Ferienpark bei Straussberg in Jugendjahren entdeckt. Jetzt kehrte die Kult-Sängerin und “Jugendliebe”-Interpretin in den Ferienpark zurück, um Solidarität zu zeigen. Solidarität mit dem Ferienpark gegen ein Vorhaben, das eine Bedrohung für die Jugendeinrichtung werden könnte, ein Projekt, das buchstäblich zum Himmel stinkt, wenn es denn realisiert wird….

Denn in der Nähe des Ferienparks bei Immenrode soll eine industriemäßige Schweinemastanlage entstehen, die in der Zukunft den Fortbestand der traditionsreichen und beliebten Kinder- und Jugendeinrichtung gefährden könnte. Gegen die geplante Anlage eines niederländischen Investors gibt es erhebliche Widerstände unter den Ferienpark-Betreibern, Bewohnern in der Region, aber auch unter Kommunalpolitiker und Geschäftsleuten der Region. Sogar eine Bürgerinitiative ist aktiv. Der Protest richtet sich übrigens nicht generell gegen landwirtschaftliche Produktion, die in dieser ländlichen Gegend allgegenwärtig ist.
Es gibt in der Nähe des Ferienparks bereits eine Schweinemastanlage, eine Ferkelaufzuchtanlage sowie eine Putenmastanlage mit jeweils nicht unerheblichen Tierbeständen. Aber durch diese gewachsenen Einrichtungen gab und gibt es keine Probleme, also dagegen auch keinen Bürgerprotest. Ganz anders im Fall der geplanten Schweinemastanlage für rund 13.000 Borstentiere, und dieses Vorhaben agrarindustrieller Größenordnung soll auch noch in einem “Vorbehaltsgebiet für Fremdenverkehr” errichtet werden. Der Jugendhilfeausschuss des dort zuständigen Kreistages hat bereits eine Resolution an das Thüringer Landesverwaltungsamt in Weimar geschickt.
Die Kritiker des Vorhabens befürchten, dass die Grenzen der Zumutbarkeit und Belastbarkeit durch die geplante Mastanlage überschritten werden. Gülletransporte auf die Felder in der Nachbarschaft als zusätzliche Belastung und in einer Größenordnung, die es dort bis jetzt so nicht gab, dann die aus der Gülleausbringung folgende Nitratbelastung für Wasservorkommen und schließlich die Massentierhaltung selbst - das alles sind die schwer wiegenden Kritikpunkte der vielen Gegner.
Ja - und was hat die Sängerin Ute Freudenberg damit zu tun? Es war 1971, da wurde Ute als junges Mädchen in eben diesem Ferienpark, damals ein FDJ-Ferienlager, entdeckt. Man wurde auf ihre Stimme aufmerksam, oder besser konkret der damalige Chef des sogenannten Lagerfunks. Da wurde prompt eine Probeaufnahme im “Funkraum” gemacht, Ute war gerade 15. Aber es war der Anfang einer großen Musikkarriere, die mit der “Jugendliebe” den Kultsong der Ostdeutschen schlechthin markierte und die bis heute mit vielen Erfolgstiteln der Weimarer Sängerin ihre Fortsetzung fand. Ute Freudenberg hat jetzt den Ferienpark Feuerkuppe besucht, Solidarität gezeigt, vielleicht nützt es ja. Jedenfalls sind sich Ute und viele Menschen in der Region um Straussberg und Immenrode im Kyffhäuserkreis einig - aus der geplanten “Schweinerei” soll nichts werden…

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