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Archiv der Kategorie Trends
Was verstehen die Deutschen unter Genuss?
5.11.2008 von Lucky Sultan.
Genuss ist immer eine Geschmacksache und über Geschmack lässt sich ja trefflich streiten, weil der doch verschieden ausfallen kann. Immerhin sollen sich 73 Prozent der Deutschen selbst für Genießer halten. Aber welchen Genuss verbinden unsere Landsleute denn eigentlich damit. Ein repräsentative Studie hat sich jüngst damit beschäftigt…Immerhin soll sich das Genießerimage der Deutschen in den letzten Jahren verbessert haben. So jedenfalls das Resultat der von der Köstritzer Schwarzbierbrauerei in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsinstitut forsa erstellten Studie. 1000 Deutsche im Alter von über 18 Jahren sind befragt worden. Und von denen meinen beispielsweise 65 Prozent, dass es die Deutschen mit ihrem “Nationalgetränk” durchaus mit den Franzosen aufnehmen können. So wie nämlich bei den Franzosen der Champagner quasi als “König der Weine” bei den Getränken ganz oben steht, rangiert das Bier als deutsches Nationalgetränk bei uns unschlagbar ganz vorn. Die Vielfalt an Biersorten, Braustätten und Biermarken in der Bundesrepublik wird ausdrücklich als ein Riesenangebot zum Genießen gesehen. Und daran kann man wohl auch die Tatsache vernachlässigen, dass natürlich hier eine Brauerei mit als Auftrraggeber der Meinungsumfrage fungierte…
Genuss fängt nach der Studie schon bei einem eher bescheidenen Geldbeutel an. Bereits bei einem monatlichen Haushalts-Nettoeinkommen von unter 1500 Euro bezeichnen sich immerhin 71 Prozent der Befragten als Genießer, bei einem Einkommen von bis zu 3000 Euro sind es auch nur gerade 70 Prozent.
Was wird aber unter Genuss verstanden? Die Deutschen sind Geselligkeits-Genießer. Immerhin 90 Prozent der Befragten erklären, Aktivitäten dann am meisten zu genießen, wenn die Familie oder Freunde dabei sind. Die Thüringer haben hier bundesweit die Nase vorn: 97 Prozent sind dabei im “Boot”. Gespräche mit Freunden führen in Thüringen die so genannte “Genuss-Skala” an: 89 Prozent empfinden solche Gelegenheiten als Genuss. Anders bei den Baden-Württemberger - dort ist Musik der Genuss-Garant Nummer Eins (89 Prozent), während in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern Naturerlebnisse mit 87 Prozent in der Genuss-Skala ganz oben stehen.
In Thüringen folgen auf Rang Zwei gutes Essen und Trinken (82 Prozent), hier folgen dann die Naturerlebnisse erst auf dem dritten Platz (66 Prozent) gefolgt von dem Hörgenuss mit Musik (65 Prozent). Wellness liegt übrigens im Bundesdurchschnitt wie auch in Thüringen nur auf dem fünften Platz. Während aber das Feiern von Partys im Bundesdurchschnitt mit nur 36 Prozent eher einen nachgeordneten Stellenwert hat und das Schlusslicht der Skala markiert, mögen es da die Thüringer sehr viel heftiger. Jeder Zweite (49 Prozent) gibt hier an, dass Partys für ihn Genusserlebnisse darstellen. Na also, dann wissen wir es doch - Thüringen ist eben ein geselliges Bundesland…
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Saale-Unstrut und Sachsen: Aufstockung der Rebflächen angesagt
13.4.2008 von Lucky Sultan.
Die ostdeutschen Weinanbaugebiete Saale-Unstrut und Sachsen dürfen wachsen. Die Agrarministerkonferenz der Länder hat sich jetzt darauf verständigt, dass Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg Neuanpflanzungsrechte zur Aufstockung traditioneller Rebflächen bekommen soll. Konkret sollen Sachsen-Anhalt und Sachsen jeweils Rechte für 31 Hektar, Thüringen und Brandenburg für jeweils 15 Hektar bekommen.
Die Entscheidung trafen die Landwirtschaftsminister der Länder bei ihrer Konferenz im sächsischen Kloster Nimbschen bei Grimma just an dem Tag, als im historischen Lichthof der Rotkäppchen-Sektkellerei in Freyburg die 18. gemeinsame Jungweinprobe der Anbaugebiete Saale-Unstrut und Sachsen stattfand. Dort hatten 41 Winzerbetriebe insgesamt 172 Weine, 6 Sekte und 2 Seccos des Jahrgangs 2007 zur Verkostung angestellt. Dieser geschmackliche Leistungsvergleich war damit die umfangreichste derartige Degustation Mitteldeutschlands. Natürlich waren auch die Weinmajestäten der Regionen mit dabei, wie etwa die Weinkönigin von Saale-Unstrut, Marika Böhme (Bild).
In den Weinanbaugebieten Saale-Unstrut und Sachsen wurde die in Aussicht gestellte Aufstockung mit Freude aufgenommen. Anträge für zusätzliche Neuanpflanzungsrechte waren bereits gestellt worden. Rheinland-Pfalz will solche Rechte für 100 Hektar abgeben. Denn die europäische Weinmarktordnung verbietet noch die Neuanpflanzungen von Rebflächen. Nur wenn entsprechende Rechte vorhanden sind, darf gepflanzt werden. Also muss von den vorhandenen Kontingenten etwas umverteilt werden.
Saale-Unstrut bringt es aktuell auf rund 666 Hektar Rebflächen, während Sachsen mit rund 400 Hektar noch kleiner ist. Allein das Anbaugebiet Pfalz hat 23.500 Hektar, Rheinhessen ist mit rund 26.500 Hektar das größte.
Das Weinanbaugebiet Saale-Unstrut erstreckt sich von Thüringen über Sachsen-Anhalt bis hin nach Brandburg vor die Tore Potsdams. Dort stehen in der Obstbaugemeinde Werder die bislang nördlichsten Rebstöcke von Saale-Unstrut, momentan auf 7 Hektar. 15 können dort aber schon bald dazu kommen. Thüringen hat aktuell mal gerade 55 Hektar, auch dort könnte um 15 Hektar aufgestockt werden. Allerdings solle im Anbaugebiet Saale-Unstrut auch künftig nur auf Qualität, nicht auf Masse gesetzt werden, betonte Weinbauverbandspräsident Siegfried Boy.
Mehr zum Thema in meinem Zeitungs-Weblog Backstage auf der TLZ-Homepage.
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Russland “erobert” die Türkei und ägyptische Urlaubs-Gefilde
10.4.2008 von Lucky Sultan.
Russische Reiseveranstalter kaufen in diesem Jahr mehr Zimmerkontingente in der Türkei als jemals zuvor. Das jedenfalls hat das bekannte Internetportal und Reiseforum “HolidayCheck” festgestellt. Der ansteigende Wohlstand der russischen Bevölkerung, die unkomplizierte Einreise in die Türkei, sowie vermehrte Billigflüge aus Russland treiben diesen Trend voran. Ein ganz normaler nachvollziehbarer Vorgang, die damals, als die deutschen Urlauber erst die italienischen und dann die spanischen Sonnenstrände eroberten…
Deutsche Urlauber müssen jedenfalls in diesem Jahr die Liegen an den türkischen Stränden mit zahlreichen Touristen aus Russland teilen. Die Meinungen darüber sind sehr geteilt, wie aktuelle Diskussionen im Reiseforum von HolidayCheck zeigen. Obwohl die Preise für eine Reise in die Türkei um rund 30 bis 40 Prozent gestiegen sind, erlaubt es der wachsende Wohlstand in der russischen Bevölkerung, sich einen Urlaub in dieser Destination zu gönnen. Eine Entwicklung, die vor allem in den letzten beiden Jahren auch sehr stark in der Baderegion am Roten Meer in Ägypten festgestellt wurde und natürlich nicht nur auf Wohlgefallen stieß - im Gegenteil.
Da Touristen aus Russland ohne komplizierte Visa-Verfahren in die Türkei einreisen dürfen, hat sich eines der Lieblingssonnenziele der Deutschen auch zu dem der Russen etabliert. Im Länderranking der bei den Russen beliebtesten Reiseziele 2008 liegt die Türkei auf dem ersten Platz, Ägypten und Tunesien folgen mit einigem Abstand. In Ägypten kam jüngst noch hinzu, dass noch alte Veträge russischen Reiseveranstaltern besonders günstige Konditionen bescherte oder Restkontingente auf eben diesem Reisemarkt superbillig verscherbelt wurden. Einige westeuropäische Länder bzw. deren Urlauber haben dies diesen Urlaubszielgebieten und ihren Hotelbetreibern übrigens verübelt.
Für den deutschen Reisemarkt hat diese Entwicklung Folgen: das Last-Minute Angebot etwa für Reisen in die Türkei in diesem Jahr wird recht spärlich ausfallen. So jedenfalls die Einschätzung der Experten von HolidayCheck. Dazu kommt, dass die zunehmende Anzahl russischer Touristen nicht für jeden deutschen Urlauber eine freudige Nachricht ist. Das liegt nicht zuletzt an dem zweifelhaften Ruf, den Urlauber aus Russland genießen. Vor allem aus (west-)deutscher Sicht. Wobei stets vergessen wird, dass wir dezutschen Urlauber eben auch nicht sonderliche beliebt sind in einigen Ländern.
Ist das häufiger transportierte Bild des russischen Pauschaltouristen tatsächlich ein realistisches, oder möchte der Deutsche nur wiederum seinem Klischee des “leidenschaftlichen Meckerers” treu bleiben?
Denn immer wieder beschweren sich Urlauber bei HolidayCheck in ihren Hotelbewertungen über den ungewöhnlich hohen Lärmpegel russischer Gäste. Besonders in Restaurants scheint es oftmals zum Eklat zwischen russischen und deutschen Urlaubern zu kommen. Es wird über schlechte Manieren, unhöfliches Drängeln am Buffet und die Masse der auf den Teller geladenen Speisen geklagt. Eine Feststellung, die ich ganz persönlich aus verschiedenen Reisen in den letzten drei Jahren in Ägypten leider bestätigen muss. Das bereitet auch einigen Hotelbetreibern wachsende Probleme.
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Kein Witz: Hübsche Blondinen wollen sich ein Denkmal setzen
14.3.2008 von Lucky Sultan.
Verrückte Welt: In einem russischen Ostsee-Ort, dessen Name im Deutschen Bernstein bedeutet wollen “schöne Blondinen” sich selbst ein Denkmal setzen. Weil sie sonst nicht dumm sondern erfolgreich sind. Es gibt einen Wettbewerb, auch ein Komitee soll es geben, welches entscheidet. Unter den Entwürfen wird wohl aktuell die Skulptur einer nackten Frau favorisiert, die sich mit der Hand durchs lange blonde Haar fährt. Irgendwie auch Klischee, oder….?
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Wettbewerb: Eingewanderte Worte - Wer bekommt die Wortschatz-Krone
1.3.2008 von Lucky Sultan.
Warum eigentlich “backstage” und nicht “hinter der Bühne”? In unserem Wortschatz lassen sich immer mehr Worte nieder, die “eingewandert” sind, aus einer fremden Sprache kommen. Manche Leute mögen das nicht, andere finden das zweckmäßig oder sogar bereichernd. Vielen Menschen ist es einfach egal. Ohnehin ist den meisten Zeitgenossen nicht bewusst, dass sie mit “eingewanderten Wörtern” hantieren, wenn sie Schokolade, Kaffee oder Tee trinken, sich ein Knäckebrot, eine Tomate, einen Keks, einen Joghurt oder ein Croissant mit Marmelade einverleiben, wenn sie nach dem Pyjama greifen, Tickets bestellen, Möbel aussuchen oder am Kiosk ein Magazin kaufen. Da haben wir den Schlamassel mit unserem Wortschatz. Welche Wörter sind eingentlich in unserer Muttersprache beheimatet, welche eingewandert, eingedeutscht. “Worte mit Migrationshintergrund” sagen dazu die Experten.Am 29. Februar endete ein internationaler Wettbewerb: Goethe-Institut und der Deutsche Sprachrat waren seit Anfang November auf der Suche nach dem “besten eingewanderten Wort”…
Bis heute konnten Vorschläge eingereicht werden, demnächst werden wir wohl das Ergebnis erfahren. Und uns wundern. Hunderte Worte kommen alljährlich zum Sprachschatz der Deutschen hinzu, wenn wir dem Duden folgen. Allein rund 3000 neue Wörter hat der Duden in seine aktuelle Ausgabe aufgenommen. Die Chance , in den Wortschatz aufgenommen zu werden, ist ziemlich groß. Begriffe wie Pullover, Frisör, Korrespondenz, Patient oder Elektrizität sind für uns alle doch so selbstverständlich, das kaum jemand daran denkt, hier mit “eingewanderten Worten” zu hantieren. Wer kennt sich schon genau genug aus, um sich im Tohuwabohu unserer Sprache sicher zu fühlen.
Junge Leute halten meist ohnehin nichts von solchen Fisimatenten. Sie arbeiten mit dem Laptop, rocken und chillen in ihrer Freizeit, tragen lieber T-Shirt statt Anzug. Sie downloaden Musik, lachen gerne über einen Tollpatsch, finden den aber vielleicht trotzdem cool. Den Flieger ziehen sie allerdings meist dem Jet vor. Und wenn sie neue Trends ssuchen, verlassen sie sich gerne auf die eigene Nase.
Beginnen wir nun eine Offensive für die wirklich deutsche Sprache? Ergeben wir uns Trends? Streiten wir uns und bilden wir wie in der Politik Fraktionen? Oder sehen wir in der “Einwanderung”! neuer Worte eine Reform? Ich bin an Ihrem persönlichen Statement zu diesem Thema interessiert. Vielleicht durchforsten Sie ja nun eigene Gespräche dahingehend, welche sprachliche Weltreise Sie bei einer kleinen Debatte so zurücklegen. Was bitte ist Ihr ganz persönlicher Hit bei dieser Suche, Ihr Favorit unter den “einwanderten Worten”?
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Feuerwerk der Emotionen: Andrea Berg ist auf dem Gipfel ihres Erfolges
26.2.2008 von Lucky Sultan.
Sie ist die erfolgreichste deutsche Sängerin, hat in den deutschen Top 100 Charts der Alben selbst die Beatles und Pink Floyd auf die Plätze verbannt. Riesige Konzerthalle zu füllen, ist für sie aktuell kein Problem. Sie ist ein Phänomen, sorgt in ihren Tournee-Orten für Staus, aber bei ihren Konzerten können ihre musikalischen Streicheleinheiten ein Feuerwerk der Emotionen auslösen. Sie wird eigentlich der Schlagerszene zugerechnet, ist aber längst bei der jungen Partyszene angekommen - mit ihren Hits, die Partyknaller und Fetenhits auch noch sind. Die große Frau mit rotbrauner Mähne, dem ewigen Mini, den hochhackigen Overknees und den schon kultigen Hits ist immer die Selbe: Andrea Berg.

Erlebt habe ich Andrea Berg (Bild / Fotos: Marcus Scheidel / TLZ) bereits bei verschiedenen Auftritten, meist riesigen Veranstaltungen. Doch das Konzert im Rahmen ihrer aktuellen Tournee hat doch einige Maßstäbe gesetzt - zumindest für die deutschsprachige Musikszene. Ich war in Erfurt dabei, auch backstage, habe darüber nicht nur in meiner Tageszeitung, der TLZ, und in meinem Backstage-Weblog auf der TLZ-Homepage geschrieben. Ich will mich auch hier mit dem Phänomen Andrea Berg auseinandersetzen.
Man muss wohl so ein Konzert oder vielleicht sogar mehrere davon erlebt haben. Da reisen ganze Fan-Clubs und -Delegationen in fortgeschrittenen Jahren an, Kinder werden mitgenommen und das Gastspiel wird als Familien-Event konsumiert. Auf den Zufahrtsstraßen der Messehallen sind Staus angesagt, kein Wunder, wenn die Schallmauer von 10.000 Besucher locker erreicht wird, vorausgesetzt die Kapazitäten lassen das zu. Und die Fans werden in einen emotionalen Sog gezogen, feiern in einem Stau der Gefühle die Sängerin, die eigentlich die meisten Songs immer im gleichen oder zumindest ähnlichen Sound abliefert. Für den sorgt seit einigen Jahren der Produzent Eugen Römer.
Andrea Berg hat fast alle Hits in den letzten Jahren im gleichen Strickmuster gesungen - von Liebe, Sehnsucht, Freude, Enttäuschung, vom Verlassensein und glücklichen Momenten. Es sind immer irgendwie Beziehungskisten, die dort thematisiert werden. In die sich aber vor allem Menschen mit etwas Lebenserfahrung reindenken können, eben solche, die schon einige Tage auf dieser Welt unterwegs sind.
Nun ist die Sängerin Anfang 40, seit einiger Zeit mit einem Fußballmanager wieder unter der Haube, aber wenn sie auf die Bühne kommt, dann stets im Mini-Mini, meist in Stiefeln, mal in hochhackigen Overknees, und auch an einer heißen Corsage lässt es die gebürtige Krefelderin nicht fehlen. Immer betont sexy, ein Hauch von etwas verrucht - die weiblichen Fans tolerieren das, die männlichen wollen es - überwiegend? - darüber gibts wohl keine Erhebungen.
Andrea Berg ist auf der Höhe ihrer Erfolge, hat eigentlich abgeräumt, was es in Deutschland zu holen gibt. Sie ist auf dem Gipfel ihrer Karriere, da ist nicht mehr viel zu toppen. Und sie genießt das alles, aber in den großen Konzerten gibt sie sich immer wieder verblüfft, gerührt angesichts der Zuneigung ihrer Fans. Das ist wohl nicht gespielt, sondern wirklich ehrlich gemeint. Sie kann es manchmal eben selbst nicht begreifen.
Mit ihren Gesten steuert sie das Publikum. Die Fans gehen im Gefühlstaumel und im Schunkeldunkel der Hallen wie berauscht mit, lassen sich in einer Woge der Begeisterung mitreißen. Selbst die junge Generation kennt sie, denn ihre Hits sind längst Partykracher geworden. Wenn sie sich - was niemand weiß - in einigen Jahren aus dem Rampenlicht etwas zurückzieht, dann werden wohl viele ihrer Erfolgstitel als Gassenhauer in der Partyszene munter fortleben.
Irgendwann trällern sie dann jene kleinen Kinder, die heute auch schon mit ihren Eltern (oder manchmal sogar den Großeltern) in den Konzert dabei sind, dann vielleicht sogar mit auf die Bühne geholt werden, um nach dem jeweiligen Finale dann mit Mohrenköpfen, Autogrammen und Postern belohnt zu werden. Und wenn am 5. Juli die Freizeitanlage Fautenhau in Kleinaspach nahe Stuttgart Zigtausende mit Kind und Kegel aus der Republik anlockt, weil dort, wo Andrea Bergs Mann mit seiner Familie eine beliebte Hotelanlage betreibt, dann das große Jahres-Open-Air steigt. Und die Gefühle haben dann keine Schweigepflicht beim Berg-Fest von Deutschlands erfolgreichster Sängerin überhaupt…
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Bundesvision Song Contest: Aufschwung Ost und plötzlich ist die Mauer in den Köpfen
17.2.2008 von Lucky Sultan.
Es war natürlich alles sehr spannend beim Bundesvision Song Contest mit Stefan Raab. Ein derartiges Herzschlagfinale hatte es noch nicht gegeben. Das letzte Ländervotum brachte die Entscheidung für die Brandenburger Folk-Metal-Band “Subway to Sally” - mit einem Pünktchen Vorsprung vor “Clueso” aus Thüringen, der bis dahin über weite Strecken geführt hatte. Platz 1 an Brandenburg, Platz 2 nach Thüringen, Platz 3 Sachsen-Anhalt und Platz 5 Mecklenburg-Vorpommern. Nur die Sachsen mussten sich abgeschlagen mit der Schlusslicht-Laterne zufrieden geben. Wenn das in der Gesamtbilanz kein Aufschwung Ost ist, was denn dann? Die Sache hat nur einen Haken oder sogar zwei: Wenn so die Suche nach dem echten Bundesfavoriten läuft, dann ist das zwar für alle ziemlich werbewirksam und vielerorts ein Fetenspaß. Nur dass bei dieser Art von Länderwettstreit ”Stolpersteine” ins Spiel kommen. Und in manchen Köpfen sich sogar “Mauern” bilden. Lieber Stefan Raab, Du möchtest ein Wegbereiter für den Grand Prix sein, sorgst auch für viel Popularität, aber warum geht das nicht ohne Stolpersteine…
Man muss nicht darüber lamentieren, dass der Bundesvision Song Contest für (fast) alle Teilnehmer eine tolle Plattform zur Selbstdarstellung war. Die meisten Künstler können am Ende - egal wie sie abgeschnitten haben - von der öffentlichkeitswirksamen Präsentation profitieren. Daran ist nichts auszusetzen.
Und man darf Stefan Raab auch die gute Absicht unterstellen, denn er wollte wohl seinem Spektakel schon einen Hauch von Grand Prix verpassen - Euro-Hymne, Aufmarsch mit den Landesflaggen, dazu kurze Vorstellungen der Bundesländer. da war die redliche Absicht zu erkennen. Und eine Musik, die wirklich die breite Masse der Jugend in der Republik erreicht - mit Songs in deutscher Sprache, das verdient Respekt.
Doch dann der große Stolperstein: Dieses Abstimmungssystem ist eine Katastrophe, bedient es doch total den auch noch organisierten Länderegoismus. Irgendwie bringen wir unsere Länderkandidaten schon durch, natürlich mit der höchsten Punktezahl daheim, so das Prinzip. Meistens jedenfalls, nur die Nordrhein-Westfalen hatten das noch nicht ganz geschnallt, warum sie die “eigene” Formation auch “nur” auf Platz 2 beförderten, dafür die Brandenburger Siegerband an die Spitze holten. Das gab dann am Ende auch den Ausschlag.
Mal abgesehen davon, dass ja die Länder doch sehr unterschiedlich groß sind und am Ende doch eigentlich der oder die beliebtesten Künstler als Bundessieger gekürt werden sollen, was aber bei dieser Form der Länderabstimmungen ja nicht wirklich funktioniert, geht es bei dieser Art von erklärtem Ländereifern natürlich auch um das Geschäft, was noch so dran hängt. Außerdem wäre doch die echte bundesweite Addition der tatsächlichen Stimmen viel zu einfach und nicht spannend genug. Also muss der Länderegoismus bedient werden.
Ein Vergleich zu einer Sportlerwahl liegt da nahe. Man stelle sich vor, es würde bundesweit der beste Sportler des Jahres nach der Publikumsgunst gesucht. Jedes Land entscheidet sich dann für einen eigenen Länderfavoriten und versucht eben den nach dem Raab-Muster und Bundesvision-Prinzip durchzuboxen. Weil es ja nicht drum geht, den wirklich besten oder beliebtetsten in der bundesweiten Publikumsgunst zu finden, sondern darum, sich als Land zu behaupten. Da würden sich manche über den so ermittelten Bundessieger ganz schön wundern.
Nein - es geht eigentlich nur so, dass ein Land nicht für den eigenen Kandidaten voten darf, sondern nur über die Reihenfolge aller anderen Finalteilnehmer zu befinden hat. Ganz kann dann zwar auch ein taktisches Abstimmungsverhalten nicht ausgeschlossen werden, etwa der Schulterschluss von Nachbarn oder die Solidarität etwa der neuen Länder. Aber ganz sicher ist dann das Gesamtresultat ein etwas anderes - weil alle die Stimmen, die bei Raab etwa für den jeweiligen Kandidaten im eigenen Land verbleiben, auf die anderen Kandidaten verteilt würden.
Statt dessen wurden diesmal vor allem die “Grabenkämpfe” der Länder bedient. Nach dem Motto Zuerst wir, dann die anderen. Darüber können auch nicht viele freundlichen Worte täuschen, wenn aus den Länderabstimmungen dann spendabel die Punkte an die Kandidaten der anderen Länder gereicht werden. In Wirklichkeit werden bei diesem Abstimmungsmodus die lautstarken “Fankurven” der Länder organisiert. Da sind plötzlich Rufe nach der Mauer auszumachen. Vielleicht getrennte Vorentscheidungen, damit die neuen Länder nicht so gemeinsame Sache machen? Und in den Köpfen vieler mobilisierter Fans verhindert eine dortige “Mauer” - nicht unbedingt die zwischen Ost und West, sondern eine um jedes Bundesland, es soll doch ein richtiger Länderwettstreit sein, bitteschön - zu sehen, dass es eigentlich darum geht, den gemeinsamen Sieger zu ermitteln, der dann auch geeignet sein sollte, international zu punkten, zu überzeugen, die Publikumsgunst zu erobern - möglichst ohne taktisches Gezerre, sondern allein mit einem überragenden Song und einer überwältigenden Performance. Auch dabei darf dann gerne eine Mittelalterrock-Formation wie “Subway to Sally” oder eben “Clueso” oder wer auch immer gewinnen. Am besten, es würde der Interpret oder die Gruppe gewinnen, die wirklich die meisten Stimmen (per Ted) bundesweit bekommt. Vielleicht ja beim nächsten Mal? Vielleicht, nachdem wir uns beim Eurovision Song Contest über taktische Bündnisse, nachbarschaftliche Schulterschlüsse und die Egoismen der Länder einmal mehr geärgert haben…
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Demografischer Wandel - was kommt da konkret auf uns zu?
14.2.2008 von Lucky Sultan.
Machen wir uns vielleicht nur verrückt, wenn es um den so genannten demografischen Wandel geht? Schon der Begriff wird ja von vielen Menschen irgendwie als Bedrohung verstanden. Werden wir vielleicht sogar gezielt verunsichert und bange gemacht? Alterung der Gesellschaft, Bevölkerungsrückgang, auch noch aktuell die Abwanderung junger Menschen dorthin, wo Arbeitsplätze sind und dauerhaft gutes Geld verdient wird. Wer hat hier eigentlich die schlechten Karten? Ein Beispiel.
Die Kyffhäuserregion in Thüringen, angrenzend an die Ausläufer des Harzes und das Mansfelder Land. Ein Gegend mit Bergbautradition und sichtbarer Geschichte. Der Bergbau ist auch schon Geschichte, weitgehend jedenfalls. Mittendrin ein steinernes Wahrzeichen, der Kyffhäuser. Ein Touristenziel, aber kein wirklicher Magnet - noch nicht.
Dieser Landstrich, ein gutes Stück Sachsen-Anhalt (der Landkreis Mansfeld-Südharz) und ein Scheibe von Thüringen (der Kyffhäuserkreis), ist seit Januar 2008 eine von zwei bundesweiten Modellregionen, wo der demografische Wandel nicht nur untersucht und begleitet werden soll, sondern Konzepte und Projekte zur Daseinsvorsorge im ländlichen Raum erprobt und gefördert werden sollen. Und weil hier wahrscheinlich alles ein bisschen schneller geht als im Rest der Republik, gerät die Modellregion Südharz-Kyffhäuser, so die Bezeichnung, zum “Testlabor” für den Rest, zum Brutkasten für den gigantischen Abspeckkurs unserer Republik. Nur dass in diesem Brutkasten nicht neues Leben und mehr entsteht, sondern weniger. Aber weil angeheizt schneller.
In dieser bundesländerübergreifenden Modellregion leben auf einer Fläche von rund 2483 Quadratkilometern heute 249.000 Einwohner. Zehn Jahre vorher waren das noch 271.000 Menschen. Ein ländlicher Raum, rund 62 Prozent sind hier landwirtschaftlich genutzt. Im Mansfelder Land dieser Modellregion wurde in der Blütezeit des dortigen Kupferbergbaus auch noch Silber gefördert, mehr als im Erzgebirge. Alles Geschichte.
Vor allem im anderen Teil, dem Kyffhäuserkreis, war die Kaliindustrie beheimatet. Mehr: sie war der Lebensnerv. Bis zur Wende. Alles vorbei, alles Geschichte. Nur die Spuren der Bergbautradition sind noch weithin sichtbar, die Halden.
Die Region Südharz-Kyffhäuser verliert einerseits immer mehr junge Leute durch Abwanderung, weil jetzt Arbeitsplätze fehlen und das seit Jahren. Und die Region schrumpft bevölkerungsmäßig und überaltert. Das Berliner Institut für Bevölkerung und Entwicklung hat dieser Region erst kürzlich die demografische Zukunftsfähigkeit abgesprochen, also nicht attestiert. Die beiden Kreise hängen in der Bewertungsskala im bundesweiten Vergleich ganz unten mit Noten 4,51 bis 4,77, wie jetzt gerade Peter Hengstermann, Landrat des Kyffhäuserkreises, beim Demografiekonvent in Sondershausen erläuterte.
Schlechte Noten allein wegen der hohen Arbeitslosigkeit von deutlich mehr als 20 Prozent, Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen nicht mir eingerechnet. Gebietsweise ist in der Region die Bevölkerung schon um bis zu 30 Prozent zurückgegangen. In den nächsten 10 bis 15 Jahren wird sie um ein weiteres Drittel schrumpfen. Überproportional geht der Frauenanteil zurück, vor allem der jüngeren im gebärfähigen Alter.
Und weil vor allem jünger, mobilere und besser qualifizierte Menschen die Region verlassen, dreht sich hier eine Spirale mit unangenehmen Nebenwirkungen. Der Bevölkerungsrückgang ist kaum aufzuhalten, also schon konkret. Hier verschärfen sich sozialkulturelle Probleme in einem fatalen Kreislauf:
Die Infrastruktur droht zu zerfallen. Banken, Post, Schulen, Geschäfte werden mehr und mehr schließen. Der öffentliche Nahverkehr bald nicht mehr bezahlbar sein und sich zurückziehen. Die allgemeinärztliche Versorgung im ländlichen Raum, wo sie heute gebietesweise schon kränkelt, wird weiter abbröckeln, auch weil einige Ärzte hier überaltert sind. Rückzug von der Schiene, aus dem Nahverkehr wird nicht aufzuhalten sein. Gebietsweise werden Straßen, Ortschaften, Versorgungsnetze nach und nach verkommen, weil die Instandhaltung für immer weniger Menschen sich nicht rechnen dürfte, zu teuer würde. Rückzug auch der kulturellen Angebote, Theater und Kino. Ob sich im gleichen Zuge ein Vereinsleben so verstärken wird, das es ersatzweise mehr Freizeitgestaltung organisiert, ist theoretisch zwar denkbar, aber praktisch eher anzuzweifeln.
Rückgang, Abbau, Schwund auf der ganzen Linie. Eine Region mit Schwindsucht geradezu. In der dann der zunehmende Kaufkraftverlust noch ein Übriges besorgt.
Wohin bitteschön mag hier die Reise gehen? Werden sich die Menschen diesem Rückzug ergeben? Oder werden sie bis dahin ungeahnte Selbsthilfekräfte entwickeln, Netzwerke schaffen, neue Formen der Grundversorgung organisieren und mitgestalten, Nachbarschaftshilfe entwickeln, vielleicht sogar ein sehr verändertes Miteinander der Generationen gestalten und durchsetzen - weil letztendlich alle einander brauchen, jeder jeden irgendwie. Seniorpatenschaften, Leihgroßeltern, das werden wohl bald Begriffe sein, die mit konkretem Leben gefüllt werden müssen.
Der Alterungsprozess ist nicht umkehrbar, die daraus erwachsenden Belastungen sind es auch nicht. Städte und Dörfer werden sich drastisch umstrukturieren, manche aber sogar mehr oder weniger aufgegeben werden. Das wird die Abstimmung mit den Füßen schon besorgen. Vieles in unserer Nachbarschaft kommt zwangsläufig auf den Prüfstand von Machbarkeit und Finanzierbarkeit. Muss aber am Ende, dort wo es sich nicht rechnet, keineswegs abgeschafft, sehr wohl aber neu organisiert und anders strukturiert werden. Aber in einer Gesellschaft, in der dann immer mehr Leute freie Zeit haben, zum Nachdenken und zum Mitmachen, Mitgestalten, wird das dann (hoffentlich) neue Formen des gesellschaftlichen Miteinanders entwickeln - als Überlebensstrategie einer schrumpfenden Gesellschaft mit Schwindsucht…
Übrigens: es gibt in Deutschland heute schon städtische Regionen, die wegen ähnlich drohender Entwicklungen - nur etwas später - schon heute den qualifizierten und bevölkerungsstrukturellen Zuwachs organisieren - aus anderen Ländern. Ein multikultureller Zuwachs, der Arbeit mitbringt, Kaufkraft schafft und Regionen am Leben erhält. Auch das wird zum demografischen Wandel gehören, dem wir uns nicht entziehen können oder sollen…
Geschrieben in Stadtentwicklung, Demografie, Trends | Drucken | Keine Kommentare »
Senioren auf heißer Fährte: Lebensstil-Scouts in der Musikstadt
13.2.2008 von Lucky Sultan.
Wenn es um die Gestaltung und Belebung unserer Innenstädte geht, dann sind es vor allem Kommunalpolitiker, Gewerbevereine und Marketingstrategen, die sich zusammensetzen, um die richtigen Lösungen zu finden. In der Nordthüringer Musikstadt Sondershausen schickt man Senioren in die Spur, um als so genannte “Lebensstil-Scouts” die Wünsche vor allem der betagten Mitbürger zu ergründen. Und was dabei heraus kommt, soll den Planern helfen zielgruppengerechtere Lösungen für die Innenstadt zu finden. Das Ganze ist ein Schritt, um den Demografie-Wandel besser zu bestehen…
Das ist also kein verspäteter Karnevalsscherz sondern wohl Realität, wie mir jetzt beim 1. Regionalen Demografiekonvent im Schloss Sondershausen erzählt wurde. Die Musikstadt gehört zu einer Modellregion “Südharz-Kyffhäuser” und damit - und einer weiteren Modellregion, “Stettiner Haff” - zu einem im Januar gestarteten Modellvorhaben “Demografischer Wandel - Zukunftsgestaltung der Daseinsvorsorge in ländlichen Räumen”. Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung fördert die Planung und Durchführung von insgesamt 40 Projekten mit rund vier Millionen Euro.
Ob davon auch die so genannten “Lebensstil-Scouts” etwas abbekommen, weiß ich (noch) nicht. Aber während des Demografiekonvents berichtete ein Referent, Dr. Hardo Kendschek (Leipzig) , Geschäftsführer des Unternehmens komet-empirica, über verschiedene Maßnahmen der Regional- und Stadtentwicklung, um die kleine City der Musikstadt Sondershausen attraktiv und zukunftsfähig zu entwickeln.
Angesichts der raschen Alterung unserer Gesellschaft, einer drastischen Zunahme älterer Mitbürger in Sondershausen, will man dort durch die “Lebensstil-Scouts” besser die Wünsche der Senioren erforschen. Etwa: Stimmt in der City der Handels-Mix? Welche Einrichtungen werden dort vermisst?Wie sollten gastronomische Einrichtungen aussehen, damit sich die betagten Bewohner dort wohlfühlen und diese auch häufiger besuchen? Wie werden Wochenmarkt oder kleine kulturelle Angebote angenommen? Und so weiter.
Da fühlen ganz einfach Senioren ihren Altersgenossen auaf den Zahn. Ob es hilft? Ich bleibe an dem Thema dran und habe auch noch anderes Interessantes beim Demografiekonvent erfahren. Demnächst dazu mehr….
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Nachsitzen bei den Narren - Geschäftemacher gefährden Brauchtumspflege
12.2.2008 von Lucky Sultan.
Eigentlich ist das närrische Treiben der Karnevalisten ja seit Aschermittwoch vorbei. Aber es gibt so einige Vereine und Veranstalter, die verlängern die fünfte Jahreszeit kaltschnäuzig in die Fastenzeit - weil es gut fürs Geschäft ist, weil sich da mancherorts die Säle besser füllen lassen. Aber dann könnte man doch gleich den Karneval als normale Unternatltungsnummer auf das ganze Jahr verteilen, oder? die Ballermänner warten doch nur auf den Sommerfasching. Aber irgendwo hört der Spaß dann doch auf. Die Organisierten schlagen Alarm, weil das Brauchtum gefährdet sei. Was stimmt. Aber eigentlich geht es darum, dass der Karneval wirklich Karneval bleiben soll und nicht irgendeine Comedynummer…

Auch für Zeitgenossen, die mit der Kirche wenig am Hut haben, gilt doch die Tatsache, dass die närrischen Fastnachtstage historisch und traditionell eng an das kirchenjahr geknüpft sind. Karneval außerhalb des so genannten christlichen Kalenders gilt als verpönt.
Der Bund Deutscher Karneval hat sich bereits vor einigen Jahren eindeutig erklärt: Sommerkarneval sei mit den satzungsgemäßen Zielen des Bundes Deutscher Karneval unvereinbar. Und der Karneval muss nach den närrischen Brauchtumshütern auch bestimmte Schonzeiten einhalten, eben auch die Fastenzeit. Konkret bedeutet das: Karneval erst ab 3. November (möglichst ab 11.11.) und nur bis vor dem 1. Advent. Und dann erst ab Neujahr bis Aschermittwoch. Punkt. Basta.
Ausnahmen können davon aus “landsmannschaftlichen Gründen” von den jeweiligen Regionalverbänden genehmigt werden. Ja - Karneval ist eine lustige Sache, aber eben doch in Teilen bitterernst.
Und manches, was da so außerhalb dieser Grenzen versucht wird, ist meist schnöde Geschäftsmacherei. Mitunter mit irgendeinem Vereinssegen, weil die Vereinskasse aufgebessert werden soll. Darüber kann man ja streiten, aber mit Karneval hat das am Ende wenig zu tun. Ich fin de es jedenfalls merkwürig und auch befremdend, wenn ich die Zeitung aufschlage und dann weit nach Aschermittwoch von närrischen Sitzungen, Prunksitzungen, Seniorenfaschingsfeiern etc. lese. Also: Man soll doch bitte nicht so tun, als hätten all diese Menschen, die dort “gebeten” werden, Alzheimer in Sachen Jahreskalender und Karneval…
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