Infos

Sie befinden sich aktuell in den Archiven des Blogs eastside-blog für Februar, 2008.

Calendar
Februar 2008
M D M D F S S
    Mrz »
 123
45678910
11121314151617
18192021222324
2526272829  

Archive für Februar 2008

Feuerwerk der Emotionen: Andrea Berg ist auf dem Gipfel ihres Erfolges

Sie ist die erfolgreichste deutsche Sängerin, hat in den deutschen Top 100 Charts der Alben selbst die Beatles und Pink Floyd auf die Plätze verbannt. Riesige Konzerthalle zu füllen, ist für sie aktuell kein Problem. Sie ist ein Phänomen, sorgt in ihren Tournee-Orten für Staus, aber bei ihren Konzerten können ihre musikalischen Streicheleinheiten ein Feuerwerk der Emotionen auslösen. Sie wird eigentlich der Schlagerszene zugerechnet, ist aber längst bei der jungen Partyszene angekommen - mit ihren Hits, die Partyknaller und Fetenhits auch noch sind. Die große Frau mit rotbrauner Mähne, dem ewigen Mini, den hochhackigen Overknees und den schon kultigen Hits ist immer die Selbe: Andrea Berg.

Erlebt habe ich Andrea Berg (Bild / Fotos: Marcus Scheidel / TLZ) bereits bei verschiedenen Auftritten, meist riesigen Veranstaltungen. Doch das Konzert im Rahmen ihrer aktuellen Tournee hat doch einige Maßstäbe gesetzt - zumindest für die deutschsprachige Musikszene. Ich war in Erfurt dabei, auch backstage, habe darüber nicht nur in meiner Tageszeitung, der TLZ, und in meinem Backstage-Weblog auf der TLZ-Homepage geschrieben. Ich will mich auch hier mit dem Phänomen Andrea Berg auseinandersetzen.

Man muss wohl so ein Konzert oder vielleicht sogar mehrere davon erlebt haben. Da reisen ganze Fan-Clubs und -Delegationen in fortgeschrittenen Jahren an, Kinder werden mitgenommen und das Gastspiel wird als Familien-Event konsumiert. Auf den Zufahrtsstraßen der Messehallen sind Staus angesagt, kein Wunder, wenn die Schallmauer von 10.000 Besucher locker erreicht wird, vorausgesetzt die Kapazitäten lassen das zu. Und die Fans werden in einen emotionalen Sog gezogen, feiern in einem Stau der Gefühle die Sängerin, die eigentlich die meisten Songs immer im gleichen oder zumindest ähnlichen Sound abliefert. Für den sorgt seit einigen Jahren der Produzent Eugen Römer.

Andrea Berg hat fast alle Hits in den letzten Jahren im gleichen Strickmuster gesungen - von Liebe, Sehnsucht, Freude, Enttäuschung, vom Verlassensein und glücklichen Momenten. Es sind immer irgendwie Beziehungskisten, die dort thematisiert werden. In die sich aber vor allem Menschen mit etwas Lebenserfahrung reindenken können, eben solche, die schon einige Tage auf dieser Welt unterwegs sind.

anbergoverknee1.jpg

Nun ist die Sängerin Anfang 40, seit einiger Zeit mit einem Fußballmanager wieder unter der Haube, aber wenn sie auf die Bühne kommt, dann stets im Mini-Mini, meist in Stiefeln, mal in hochhackigen Overknees, und auch an einer heißen Corsage lässt es die gebürtige Krefelderin nicht fehlen. Immer betont sexy, ein Hauch von etwas verrucht - die weiblichen Fans tolerieren das, die männlichen wollen es - überwiegend? - darüber gibts wohl keine Erhebungen.

Andrea Berg ist auf der Höhe ihrer Erfolge, hat eigentlich abgeräumt, was es in Deutschland zu holen gibt. Sie ist auf dem Gipfel ihrer Karriere, da ist nicht mehr viel zu toppen. Und sie genießt das alles, aber in den großen Konzerten gibt sie sich immer wieder verblüfft, gerührt angesichts der Zuneigung ihrer Fans. Das ist wohl nicht gespielt, sondern wirklich ehrlich gemeint. Sie kann es manchmal eben selbst nicht begreifen.

Mit ihren Gesten steuert sie das Publikum. Die Fans gehen im Gefühlstaumel und im Schunkeldunkel der Hallen wie berauscht mit, lassen sich in einer Woge der Begeisterung mitreißen. Selbst die junge Generation kennt sie, denn ihre Hits sind längst Partykracher geworden. Wenn sie sich - was niemand weiß - in einigen Jahren aus dem Rampenlicht etwas zurückzieht, dann werden wohl viele ihrer Erfolgstitel als Gassenhauer in der Partyszene munter fortleben.

Irgendwann trällern sie dann jene kleinen Kinder, die heute auch schon mit ihren Eltern (oder manchmal sogar den Großeltern) in den Konzert dabei sind, dann vielleicht sogar mit auf die Bühne geholt werden, um nach dem jeweiligen Finale dann mit Mohrenköpfen, Autogrammen und Postern belohnt zu werden. Und wenn am 5. Juli die Freizeitanlage Fautenhau in Kleinaspach nahe Stuttgart Zigtausende mit Kind und Kegel aus der Republik anlockt, weil dort, wo Andrea Bergs Mann mit seiner Familie eine beliebte Hotelanlage betreibt, dann das große Jahres-Open-Air steigt. Und die Gefühle haben dann keine Schweigepflicht beim Berg-Fest von Deutschlands erfolgreichster Sängerin überhaupt…

Kartoffelkult(ur): Jetzt bekommt die Knolle ein riesiges Denkmal

Ob Pommes, Kloß, Kroketten oder Bratkartoffeln - die Kartoffel ist in aller Munde, und das weltweit. Kein Wunder, dass die Vereinten Nationen das Jahr 2008 zum “Internationalen Jahr der Kartoffel” erklärt haben. Was an unseren Essgewohnheiten wohl nichts ändern wird. Aber in Thüringen, wo aus den “Erdäpfeln” auch die berühmten Thüringer Klöße gemacht werden, dort bekommt die allseits so beliebte Knolle jetzt ein riesiges Denkmal gesetzt - die “Heichelheimer Weltkartoffel”…

Heichelheimer Weltkartoffel

Heichelheim ist ein kleines Dorf bei Weimar, zudem die Thüringer Kartoffelhochburg. Alljährlich lockt dort das Heichelheimer Kartoffelfest Anfang September Zigtausende in das Dorf, wor auch ein tolles Museum in der Ortsmitte die Besucher anlockt - das Thüringer Kloßmuseum. Und genau gegenüber befindet sich eine Metallbauwerkstatt - KKS König Metallbau & Bauelemente - in der momentan an einem Denkmal gewerkelt wird - der “Heichelheimer Weltkartoffel”.

Eine Riesenkartoffel aus rostfreiem Edelstahl entsteht dort. Das getriebene Blech ist zu einer großen Knolle geformt worden. Selbst die für richtige Kartoffeln typischen “Augen” hat Metallbauer Jürgen König nicht vergessen. Der von der Form her mehr ovale Erdapfel ibringt es in der langen Ausdehnung auf zwischen zwei und drei Meter. Wenn das Kunstwerk fertig ist, dann dürfte es wohl an die 230 Kilo wiegen, verrät der Metallkünstler und Firmenchef.

Besonders viel Arbeit haben bei diesem künftigen Denkmal die Kontinente der Erdkugel gemacht. Die einzelnen Kontinente sind aus Edelstahl geschnitten, geschweißt und zu einer Weltkarte montiert worden (siehe Foto). Die Kontinente werden später mit der riesigen Stahlkartoffel, die aber dann auch den entsprechenden Farbanstrich bekommt, fest verbunden.
Wenn alles dann mal fertig und sogar Elektrik installiert ist, dann kommt die stählerne Riesenknolle auf einen fast 80 Jahre alten restaurierten Leiterwagen. Denn die “Heichelheimer Weltkartoffel” soll ein mobiles Denkmal werden, das an wechselnden Orten ausgestellt und auch bei besonderen Anlässen in Umzügen mitgeführt werden kann.
Offiziell enthüllt und präsentiert werden soll das wohl in Deutschland - und vielleicht auch weltweit - größte Denkmal einer Kartoffel am 19. März 2008 auf dem Erfurter Bahnhofsvorplatz. Und auch bei der in diesem Jahr wieder in der Erfurter Messehalle stattfindenden Weltmeisterschaft der Köche wird die “Heichelheimer Weltkartoffel” zu bestaunen sein.
Mehr Infos rund um die “Heichelheimer Weltkartoffel” gibt es unter: http://www.tlz.de/backstage und unter www.tlz.de/kartoffelkult

Solidarität: Jugendliebe-Protest gegen ein Vorhaben, das zum Himmel stinkt

Der Ferienpark Feuerkuppe in Straussberg nahe Sondershausen ist eine überregional bekannte wie beliebte Jugend- und Kindereinrichtung, wo seit vielen Jahren Schulklassen, Jugendgruppen, Vereine, aber auch Familien Ausflugs- oder Ferienaufenthalte verbringen. Der Ferienpark Feuerkuppe gehörte zu den ersten Jugendeinrichtungen von bundesweit rund 5000, die das Drei-Sterne-Qualitätsmanagement verliehen bekommen haben. Fast 50.000 Übernachtungen gab es allein dort im vergangenen Jahr. Der Ferienpark spielte zu DDR-Zeiten eine Schlüsselrolle in der Karriere der beliebtesten Sängerin Ostdeutschlands, Ute Freudenberg. Denn eigentlich wurde Ute eben dort im Ferienpark bei Straussberg in Jugendjahren entdeckt. Jetzt kehrte die Kult-Sängerin und “Jugendliebe”-Interpretin in den Ferienpark zurück, um Solidarität zu zeigen. Solidarität mit dem Ferienpark gegen ein Vorhaben, das eine Bedrohung für die Jugendeinrichtung werden könnte, ein Projekt, das buchstäblich zum Himmel stinkt, wenn es denn realisiert wird….

Denn in der Nähe des Ferienparks bei Immenrode soll eine industriemäßige Schweinemastanlage entstehen, die in der Zukunft den Fortbestand der traditionsreichen und beliebten Kinder- und Jugendeinrichtung gefährden könnte. Gegen die geplante Anlage eines niederländischen Investors gibt es erhebliche Widerstände unter den Ferienpark-Betreibern, Bewohnern in der Region, aber auch unter Kommunalpolitiker und Geschäftsleuten der Region. Sogar eine Bürgerinitiative ist aktiv. Der Protest richtet sich übrigens nicht generell gegen landwirtschaftliche Produktion, die in dieser ländlichen Gegend allgegenwärtig ist.
Es gibt in der Nähe des Ferienparks bereits eine Schweinemastanlage, eine Ferkelaufzuchtanlage sowie eine Putenmastanlage mit jeweils nicht unerheblichen Tierbeständen. Aber durch diese gewachsenen Einrichtungen gab und gibt es keine Probleme, also dagegen auch keinen Bürgerprotest. Ganz anders im Fall der geplanten Schweinemastanlage für rund 13.000 Borstentiere, und dieses Vorhaben agrarindustrieller Größenordnung soll auch noch in einem “Vorbehaltsgebiet für Fremdenverkehr” errichtet werden. Der Jugendhilfeausschuss des dort zuständigen Kreistages hat bereits eine Resolution an das Thüringer Landesverwaltungsamt in Weimar geschickt.
Die Kritiker des Vorhabens befürchten, dass die Grenzen der Zumutbarkeit und Belastbarkeit durch die geplante Mastanlage überschritten werden. Gülletransporte auf die Felder in der Nachbarschaft als zusätzliche Belastung und in einer Größenordnung, die es dort bis jetzt so nicht gab, dann die aus der Gülleausbringung folgende Nitratbelastung für Wasservorkommen und schließlich die Massentierhaltung selbst - das alles sind die schwer wiegenden Kritikpunkte der vielen Gegner.
Ja - und was hat die Sängerin Ute Freudenberg damit zu tun? Es war 1971, da wurde Ute als junges Mädchen in eben diesem Ferienpark, damals ein FDJ-Ferienlager, entdeckt. Man wurde auf ihre Stimme aufmerksam, oder besser konkret der damalige Chef des sogenannten Lagerfunks. Da wurde prompt eine Probeaufnahme im “Funkraum” gemacht, Ute war gerade 15. Aber es war der Anfang einer großen Musikkarriere, die mit der “Jugendliebe” den Kultsong der Ostdeutschen schlechthin markierte und die bis heute mit vielen Erfolgstiteln der Weimarer Sängerin ihre Fortsetzung fand. Ute Freudenberg hat jetzt den Ferienpark Feuerkuppe besucht, Solidarität gezeigt, vielleicht nützt es ja. Jedenfalls sind sich Ute und viele Menschen in der Region um Straussberg und Immenrode im Kyffhäuserkreis einig - aus der geplanten “Schweinerei” soll nichts werden…

Bundesvision Song Contest: Aufschwung Ost und plötzlich ist die Mauer in den Köpfen

Es war natürlich alles sehr spannend beim Bundesvision Song Contest mit Stefan Raab. Ein derartiges Herzschlagfinale hatte es noch nicht gegeben. Das letzte Ländervotum brachte die Entscheidung für die Brandenburger Folk-Metal-Band “Subway to Sally” - mit einem Pünktchen Vorsprung vor “Clueso” aus Thüringen, der bis dahin über weite Strecken geführt hatte. Platz 1 an Brandenburg, Platz 2 nach Thüringen, Platz 3 Sachsen-Anhalt und Platz 5 Mecklenburg-Vorpommern. Nur die Sachsen mussten sich abgeschlagen mit der Schlusslicht-Laterne zufrieden geben. Wenn das in der Gesamtbilanz kein Aufschwung Ost ist, was denn dann? Die Sache hat nur einen Haken oder sogar zwei: Wenn so die Suche nach dem echten Bundesfavoriten läuft, dann ist das zwar für alle ziemlich werbewirksam und vielerorts ein Fetenspaß.  Nur dass bei dieser Art von Länderwettstreit  ”Stolpersteine” ins Spiel kommen. Und in manchen Köpfen sich sogar  “Mauern” bilden. Lieber Stefan Raab, Du möchtest ein Wegbereiter für den   Grand Prix sein, sorgst auch für viel Popularität, aber warum geht das nicht ohne Stolpersteine…

Man muss nicht darüber lamentieren, dass der Bundesvision Song Contest für (fast) alle Teilnehmer eine tolle Plattform zur Selbstdarstellung war. Die meisten Künstler können am Ende - egal wie sie abgeschnitten haben - von der öffentlichkeitswirksamen Präsentation profitieren. Daran ist nichts auszusetzen.

Und man darf Stefan Raab auch die gute Absicht unterstellen, denn er wollte wohl seinem Spektakel schon einen Hauch von Grand Prix verpassen - Euro-Hymne, Aufmarsch mit den Landesflaggen, dazu kurze Vorstellungen der Bundesländer. da war die redliche Absicht zu erkennen. Und eine Musik, die wirklich die breite Masse der Jugend in der Republik erreicht - mit Songs in deutscher Sprache, das verdient Respekt.

Doch dann der große Stolperstein: Dieses Abstimmungssystem ist eine Katastrophe, bedient es doch total den auch noch organisierten Länderegoismus. Irgendwie bringen wir unsere Länderkandidaten schon durch, natürlich mit der höchsten Punktezahl daheim, so das Prinzip. Meistens jedenfalls, nur die Nordrhein-Westfalen hatten das noch nicht ganz geschnallt, warum sie die “eigene” Formation auch “nur” auf Platz 2 beförderten, dafür die Brandenburger Siegerband an die Spitze holten. Das gab dann am Ende auch den Ausschlag.

Mal abgesehen davon, dass ja die Länder doch sehr unterschiedlich groß sind und am Ende doch eigentlich der oder die beliebtesten Künstler als Bundessieger gekürt werden sollen, was aber bei dieser Form der Länderabstimmungen ja nicht wirklich funktioniert, geht es bei dieser Art von erklärtem Ländereifern natürlich auch um das Geschäft, was noch so dran hängt. Außerdem wäre doch die echte bundesweite Addition der tatsächlichen Stimmen viel zu einfach und nicht spannend genug. Also muss der Länderegoismus bedient werden.  

Ein Vergleich zu einer Sportlerwahl liegt da nahe. Man stelle sich vor, es würde bundesweit der beste Sportler des Jahres nach der Publikumsgunst gesucht. Jedes Land entscheidet sich dann für einen eigenen Länderfavoriten und versucht eben den nach dem Raab-Muster und Bundesvision-Prinzip durchzuboxen. Weil es ja nicht drum geht, den wirklich besten oder beliebtetsten in der bundesweiten Publikumsgunst zu finden, sondern darum, sich als Land zu behaupten. Da würden sich manche über den so ermittelten Bundessieger ganz schön wundern.

Nein - es geht eigentlich nur so, dass ein Land nicht für den eigenen Kandidaten voten darf, sondern nur über die Reihenfolge aller anderen Finalteilnehmer zu befinden hat. Ganz kann dann zwar auch ein taktisches Abstimmungsverhalten nicht ausgeschlossen werden, etwa der Schulterschluss von Nachbarn oder die Solidarität etwa der neuen Länder. Aber ganz sicher ist dann das Gesamtresultat ein etwas anderes - weil alle die Stimmen, die bei Raab etwa für den jeweiligen Kandidaten im eigenen Land verbleiben, auf die anderen Kandidaten verteilt würden.

Statt dessen wurden diesmal vor allem die “Grabenkämpfe” der Länder bedient. Nach dem Motto Zuerst wir, dann die anderen. Darüber können auch nicht viele freundlichen Worte täuschen, wenn aus den Länderabstimmungen dann spendabel die Punkte an die Kandidaten der anderen Länder gereicht werden.  In Wirklichkeit werden bei diesem Abstimmungsmodus die lautstarken “Fankurven” der Länder organisiert. Da sind plötzlich Rufe nach der Mauer  auszumachen. Vielleicht getrennte Vorentscheidungen, damit die neuen Länder nicht so gemeinsame Sache machen? Und in den Köpfen vieler mobilisierter Fans verhindert eine dortige “Mauer” - nicht unbedingt die zwischen Ost und West, sondern eine um jedes Bundesland, es soll doch ein richtiger Länderwettstreit sein, bitteschön -  zu sehen, dass es eigentlich darum geht, den gemeinsamen  Sieger zu ermitteln, der dann auch geeignet sein sollte, international zu punkten, zu überzeugen, die Publikumsgunst zu erobern - möglichst ohne taktisches Gezerre, sondern allein mit einem überragenden Song und einer überwältigenden Performance. Auch dabei darf dann  gerne eine Mittelalterrock-Formation wie “Subway to Sally” oder eben “Clueso” oder wer auch immer gewinnen. Am besten, es würde der Interpret oder die Gruppe gewinnen, die wirklich die meisten Stimmen (per Ted) bundesweit bekommt. Vielleicht ja  beim nächsten Mal? Vielleicht, nachdem wir uns beim Eurovision Song Contest über taktische Bündnisse, nachbarschaftliche Schulterschlüsse und die Egoismen der Länder einmal mehr geärgert haben… 

Demografischer Wandel - was kommt da konkret auf uns zu?

Machen wir uns vielleicht nur verrückt, wenn es um den so genannten demografischen Wandel geht? Schon der Begriff wird ja von vielen Menschen irgendwie als Bedrohung verstanden. Werden wir vielleicht sogar gezielt verunsichert und bange gemacht? Alterung der Gesellschaft, Bevölkerungsrückgang, auch noch aktuell die Abwanderung junger Menschen dorthin, wo Arbeitsplätze sind und dauerhaft gutes Geld verdient wird. Wer hat hier eigentlich die schlechten Karten? Ein Beispiel.

Die Kyffhäuserregion in Thüringen, angrenzend an die Ausläufer des Harzes und das Mansfelder Land. Ein Gegend mit Bergbautradition und sichtbarer Geschichte. Der Bergbau ist auch schon Geschichte, weitgehend jedenfalls. Mittendrin ein steinernes Wahrzeichen, der Kyffhäuser. Ein Touristenziel, aber kein wirklicher Magnet - noch nicht.

Dieser Landstrich, ein gutes Stück Sachsen-Anhalt (der Landkreis Mansfeld-Südharz) und ein Scheibe von Thüringen (der Kyffhäuserkreis), ist seit Januar 2008 eine von zwei bundesweiten Modellregionen, wo der demografische Wandel nicht nur untersucht und begleitet werden soll, sondern Konzepte und Projekte zur Daseinsvorsorge im ländlichen Raum erprobt und gefördert werden sollen. Und weil hier wahrscheinlich alles ein bisschen schneller geht als im Rest der Republik, gerät die Modellregion Südharz-Kyffhäuser, so die Bezeichnung, zum “Testlabor” für den Rest, zum Brutkasten für den gigantischen Abspeckkurs unserer Republik. Nur dass in diesem Brutkasten nicht neues Leben und mehr entsteht, sondern weniger. Aber weil angeheizt schneller.

In dieser bundesländerübergreifenden Modellregion leben auf einer Fläche von rund 2483 Quadratkilometern heute 249.000 Einwohner. Zehn Jahre vorher waren das noch 271.000 Menschen. Ein ländlicher Raum, rund 62 Prozent sind hier landwirtschaftlich genutzt. Im Mansfelder Land dieser Modellregion wurde in der Blütezeit des dortigen Kupferbergbaus auch noch Silber gefördert, mehr als im Erzgebirge. Alles Geschichte.

Vor allem im anderen Teil, dem Kyffhäuserkreis, war die Kaliindustrie beheimatet. Mehr: sie war der Lebensnerv. Bis zur Wende. Alles vorbei, alles Geschichte. Nur die Spuren der Bergbautradition sind noch weithin sichtbar, die Halden.

Die Region Südharz-Kyffhäuser verliert einerseits immer mehr junge Leute durch Abwanderung, weil jetzt Arbeitsplätze fehlen und das seit Jahren. Und die Region schrumpft bevölkerungsmäßig und überaltert. Das Berliner Institut für Bevölkerung und Entwicklung hat dieser Region erst kürzlich die demografische Zukunftsfähigkeit abgesprochen, also nicht attestiert. Die beiden Kreise hängen in der Bewertungsskala im bundesweiten Vergleich ganz unten mit Noten 4,51 bis 4,77, wie jetzt gerade Peter Hengstermann, Landrat des Kyffhäuserkreises, beim Demografiekonvent in Sondershausen erläuterte.

Schlechte Noten allein wegen der hohen Arbeitslosigkeit von deutlich mehr als 20 Prozent, Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen nicht mir eingerechnet. Gebietsweise ist in der Region die Bevölkerung schon um bis zu 30 Prozent zurückgegangen. In den nächsten 10 bis 15 Jahren wird sie um ein weiteres Drittel schrumpfen. Überproportional geht der Frauenanteil zurück, vor allem der jüngeren im gebärfähigen Alter.

Und weil vor allem jünger, mobilere und besser qualifizierte Menschen die Region verlassen, dreht sich hier eine Spirale mit unangenehmen Nebenwirkungen. Der Bevölkerungsrückgang ist kaum aufzuhalten, also schon konkret. Hier verschärfen sich sozialkulturelle Probleme in einem fatalen Kreislauf:

Die Infrastruktur droht zu zerfallen. Banken, Post, Schulen, Geschäfte werden mehr und mehr schließen. Der öffentliche Nahverkehr bald nicht mehr bezahlbar sein und sich zurückziehen. Die allgemeinärztliche Versorgung im ländlichen Raum, wo sie heute gebietesweise schon kränkelt, wird weiter abbröckeln, auch weil einige Ärzte hier überaltert sind. Rückzug von der Schiene, aus dem Nahverkehr wird nicht aufzuhalten sein. Gebietsweise werden Straßen, Ortschaften, Versorgungsnetze nach und nach verkommen, weil die Instandhaltung für immer weniger Menschen sich nicht rechnen dürfte, zu teuer würde. Rückzug auch der kulturellen Angebote, Theater und Kino. Ob sich im gleichen Zuge ein Vereinsleben so verstärken wird, das es ersatzweise mehr Freizeitgestaltung organisiert, ist theoretisch zwar denkbar, aber praktisch eher anzuzweifeln.

Rückgang, Abbau, Schwund auf der ganzen Linie. Eine Region mit Schwindsucht geradezu. In der dann der zunehmende Kaufkraftverlust noch ein Übriges besorgt.

Wohin bitteschön mag hier die Reise gehen? Werden sich die Menschen diesem Rückzug ergeben? Oder werden sie bis dahin ungeahnte Selbsthilfekräfte entwickeln, Netzwerke schaffen, neue Formen der Grundversorgung organisieren und mitgestalten, Nachbarschaftshilfe entwickeln, vielleicht sogar ein sehr verändertes Miteinander der Generationen gestalten und durchsetzen - weil letztendlich alle einander brauchen, jeder jeden irgendwie. Seniorpatenschaften, Leihgroßeltern, das werden wohl bald Begriffe sein, die mit konkretem Leben gefüllt werden müssen.

Der Alterungsprozess ist nicht umkehrbar, die daraus erwachsenden Belastungen sind es auch nicht. Städte und Dörfer werden sich drastisch umstrukturieren, manche aber sogar mehr oder weniger aufgegeben werden. Das wird die Abstimmung mit den Füßen schon besorgen. Vieles in unserer Nachbarschaft kommt zwangsläufig auf den Prüfstand von Machbarkeit und Finanzierbarkeit. Muss aber am Ende, dort wo es sich nicht rechnet, keineswegs abgeschafft, sehr wohl aber neu organisiert und anders strukturiert werden. Aber in einer Gesellschaft, in der dann immer mehr Leute freie Zeit haben, zum Nachdenken und zum Mitmachen, Mitgestalten, wird das dann (hoffentlich) neue Formen des gesellschaftlichen Miteinanders entwickeln - als Überlebensstrategie einer schrumpfenden Gesellschaft mit Schwindsucht…

Übrigens: es gibt in Deutschland heute schon städtische Regionen, die wegen ähnlich drohender Entwicklungen - nur etwas später - schon heute den qualifizierten und bevölkerungsstrukturellen Zuwachs organisieren - aus anderen Ländern. Ein multikultureller Zuwachs, der Arbeit mitbringt, Kaufkraft schafft und Regionen am Leben erhält. Auch das wird zum demografischen Wandel gehören, dem wir uns nicht entziehen können oder sollen…

Senioren auf heißer Fährte: Lebensstil-Scouts in der Musikstadt

Wenn es um die Gestaltung und Belebung unserer Innenstädte geht, dann sind es vor allem Kommunalpolitiker, Gewerbevereine und Marketingstrategen, die sich zusammensetzen, um die richtigen Lösungen zu finden. In der Nordthüringer Musikstadt Sondershausen schickt man Senioren in die Spur, um als so genannte “Lebensstil-Scouts” die Wünsche vor allem der betagten Mitbürger zu ergründen. Und was dabei heraus kommt, soll den Planern helfen zielgruppengerechtere Lösungen für die Innenstadt zu finden. Das Ganze ist ein Schritt, um den Demografie-Wandel besser zu bestehen…

Das ist also kein verspäteter Karnevalsscherz sondern wohl Realität, wie mir jetzt beim 1. Regionalen Demografiekonvent im Schloss Sondershausen erzählt wurde. Die Musikstadt gehört zu einer Modellregion “Südharz-Kyffhäuser” und damit - und einer weiteren Modellregion, “Stettiner Haff” - zu einem im Januar gestarteten Modellvorhaben “Demografischer Wandel - Zukunftsgestaltung der Daseinsvorsorge in ländlichen Räumen”. Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung fördert die Planung und Durchführung von insgesamt 40 Projekten mit rund vier Millionen Euro.

Ob davon auch die so genannten “Lebensstil-Scouts” etwas abbekommen, weiß ich (noch) nicht. Aber während des Demografiekonvents berichtete ein Referent, Dr. Hardo Kendschek (Leipzig) , Geschäftsführer des Unternehmens komet-empirica, über verschiedene Maßnahmen der Regional- und Stadtentwicklung, um die kleine City der Musikstadt Sondershausen attraktiv und zukunftsfähig zu entwickeln.

Angesichts der raschen Alterung unserer Gesellschaft, einer drastischen Zunahme älterer Mitbürger in Sondershausen, will man dort durch die “Lebensstil-Scouts” besser die Wünsche der Senioren erforschen. Etwa: Stimmt in der City der Handels-Mix? Welche Einrichtungen werden dort vermisst?Wie sollten gastronomische Einrichtungen aussehen, damit sich die betagten Bewohner dort wohlfühlen und diese auch häufiger besuchen? Wie werden Wochenmarkt oder kleine kulturelle Angebote angenommen? Und so weiter.

Da fühlen ganz einfach Senioren ihren Altersgenossen auaf den Zahn. Ob es hilft? Ich bleibe an dem Thema dran und habe auch noch anderes Interessantes beim Demografiekonvent erfahren. Demnächst dazu mehr….

Nachsitzen bei den Narren - Geschäftemacher gefährden Brauchtumspflege

Eigentlich ist das närrische Treiben der Karnevalisten ja seit Aschermittwoch vorbei. Aber es gibt so einige Vereine und Veranstalter, die verlängern die fünfte Jahreszeit kaltschnäuzig in die Fastenzeit - weil es gut fürs Geschäft ist, weil sich da mancherorts die Säle besser füllen lassen. Aber dann könnte man doch gleich den Karneval als normale Unternatltungsnummer auf das ganze Jahr verteilen, oder? die Ballermänner warten doch nur auf den Sommerfasching. Aber irgendwo hört der Spaß dann doch auf. Die Organisierten schlagen Alarm, weil das Brauchtum gefährdet sei. Was stimmt. Aber eigentlich geht es darum, dass der Karneval wirklich Karneval bleiben soll und nicht irgendeine Comedynummer…

Auch für Zeitgenossen, die mit der Kirche wenig am Hut haben, gilt doch die Tatsache, dass die närrischen Fastnachtstage historisch und traditionell eng an das kirchenjahr geknüpft sind. Karneval außerhalb des so genannten christlichen Kalenders gilt als verpönt.

Der Bund Deutscher Karneval hat sich bereits vor einigen Jahren eindeutig erklärt: Sommerkarneval sei mit den satzungsgemäßen Zielen des Bundes Deutscher Karneval unvereinbar. Und der Karneval muss nach den närrischen Brauchtumshütern auch bestimmte Schonzeiten einhalten, eben auch die Fastenzeit. Konkret bedeutet das: Karneval erst ab 3. November (möglichst ab 11.11.) und nur bis vor dem 1. Advent. Und dann erst ab Neujahr bis Aschermittwoch. Punkt. Basta.

Ausnahmen können davon aus “landsmannschaftlichen Gründen” von den jeweiligen Regionalverbänden genehmigt werden. Ja - Karneval ist eine lustige Sache, aber eben doch in Teilen bitterernst.

Und manches, was da so außerhalb dieser Grenzen versucht wird, ist meist schnöde Geschäftsmacherei. Mitunter mit irgendeinem Vereinssegen, weil die Vereinskasse aufgebessert werden soll. Darüber kann man ja streiten, aber mit Karneval hat das am Ende wenig zu tun. Ich fin de es jedenfalls merkwürig und auch befremdend, wenn ich die Zeitung aufschlage und dann weit nach Aschermittwoch von närrischen Sitzungen, Prunksitzungen, Seniorenfaschingsfeiern etc. lese. Also: Man soll doch bitte nicht so tun, als hätten all diese Menschen, die dort “gebeten” werden, Alzheimer in Sachen Jahreskalender und Karneval…

 

Big Business: Laurel & Hardy bekommen Stummfilmmusik aus Weimar

Er gehört zu einer bekannten Weimarer Musikerfamilie, hat richtig was auf dem Kasten (und in den Fingern), schon mehrere Auszeichnungen ergattert. Er ist Sänger, Pianist, Komponist und Arrangeur. Und lernt immer noch dazu. Aktuell ist die Jazzpianistin und Komponistin Maria Baptist seine Lehrerin. Aber am kommenden Valentinstag, da hat Er einen großen Tag, denn in einem historischen Kino in Luxemburg gibt es dann eine Uraufführung mit dem Orchestre Philharmonique du Luxembourg. Dirigent wird der Belgier Ivan Meylemans sein. Doch das Musikstück hat Er komponiert: Clemens Rynkowski aus Weimar. Die Komposition ist eine Stummfilmmusik für ein Meisterwerk der Filmgeschichte. “Big Business” mit Laurel & Hardy. Der berühmte Streifen ist aus dem Jahre 1929. Die Komposition von Clemens Rynkowski aus 2008, und der Komponist gerade 29 Jahre jung…

Die Stummfilmmusik von Clemens Rynkowski ist etwa so lang wie der historische Streifen - gute 20 Minuten lang. Der Weimarer hat eine Komposition für eine kleiner Besetzung geschrieben, denn in dem historischen Kino in Luxemburg, wo die Uraufführung am Valentinstag über die Bühne gehen wird, ist nur Platz für 15 Musiker. Die große Besetzung der Luxemburger Philharmoniker würde da auch nicht gehen.

Wer ist nun dieser Clemens Rynkowski aus Weimar? Die Mutter ist Professorin an der Musikhochschule “Franz Liszt” Weimar, sein Vater ist ebenfalls Profimusiker, der Frontmann der Formation “Rest of best” aus der Klassikerstadt. Clemens Rynkowski selbst hat sein Klavierstudium an der Universität der Künste Berlin bei Prof. Sorin Enachescu und Prof. Linde Großmann absolviert. Seit 2004 macht der freischaffende Pianist, Sänger, Komponist und Arrangeur auch noch ein Studium für Komposition und Jazzklavier an der Hochschule für Musik “Hans Eisler” bei Prof. Maria Baptist.

Clemens Rynkowski ist musikalisch auf verschiedenen Betätigungsfeldern erfolgreich zu Hause, wirkt(e) in verschiedenen Ensembles mit: “salonorchesterweimar”, “Global Warming Brothers”, “Junges Rahlstedter Kammerorchester”, “Combo Deluxe”. Schon 1999 holte Clemens einen 3. Preis beim Bundeswettbewerb “Jugend musiziert”. 2002 gab es den Bundespreis der Firma Grotrian-steinweg für besonders ausdruckstarkes Klavierspiel. Und zusammen mit dem “salonorchesterweimar” gewann er 2003 den Kleinkunstpreis “Ravensburger Kupferle”. 2005 wurde der Musiker als “Künstler des Jahres 2005” vom gedu-Verlag ausgezeichnet.

Konzertreisen brachten Clemens Rynkowski schon nach Schweden, Finnland, Holland, Österreich, Tschechien, Mexiko und in die USA. Er hat bereits mehrere Auftragswerke für Großes Orchester geschrieben, außerdem Stücke für Kammerensembles, Bigband, Streichquartette, Film-, Hörspiel- und Theatermusiken. Die Stummfilmmusik für “Big Busienss” mit Laurel & Hardy (”Dick und Doof”) ist auch ein Auftragswerk. Auftraggeber ist das Orchestre Philharmonique du Luxembourg. Man darf gespannt sein, wie die zeitgenössisches komposition sich mit dem historischen Stummfilm-Streifen aus dem Jahre 1929 verträgt. Sechs Aufführungen sind aktuell schon geplant in Luxemburg. Vielleicht ist ja demnächst auch ein Gastspiel der Luxemburger Philharmoniker in der Klassikerstadt Weimar drin, Stummfilmmusik von Clemens Rynkowski inklusive…

|